Was gut war. KW 2, 2017

Heftige Arbeitswoche mit enorm vielen neuen Erkenntnissen, ersten Fehlern und jede Menge Beobachtungen. Schließlich ist jedes Büro ein kleines Sozialexperiment mit heimlicher Hierarchie und Strukturen und einer eigenen Tonalität. Immer wieder spannend, wie man, ohne direkt benennen zu können warum, manchmal eine seltsame chemische Reaktion auf jemanden hat oder jemand anderen sofort als gleichgesinnt abspeichert.

Apropos: Gesagt bekommen, dass man ein Büro-bezogenes Bild auf Twitter zur Kenntnis genommen hat. (Moinsen!) Okidoki. Das mit meiner Trittsicherheit in der Konzernbürokultur ist eh… ach, naja. (Noch hab ich mir keine Feinde gemacht, ich werte das positiv.)

Daheim ein kleines Loriot-Stück mit meinem Hausmeister aufgeführt, der mit dem Heizungsableser und meinem Wohnungsschlüssel vor der falschen Wohnung stand. Als er mich anrief, hielt er mich immer noch für eine andere Mieterin und fragte, warum ich ihm den Badschlüssel gegeben habe. (Fragen sie nicht. Das Haus ist alt, die Türen sind…minimalistisch.)
Als ich ihm versichere, dass ich mit dem Schlüssel am Morgen noch die Wohnung abgesperrt habe, fällt das Zehnerl plötzlich. Nicht nur, dass er daraufhin irgendwie den Heizungsableser doch noch in meine Wohnung organisiert, nein, als ich abends zurück komme, hat sich mein Wohnungsschlüssel verdoppelt. ‚Aus seinem Fundus‘, sagt er. Ich versuche nicht darüber nachzudenken.

In den Heimatnachrichten der alte Klassiker von der Altstadtbahn, die ein tapferer Verein seit Jahren versucht zu reaktivieren. Die Verbindung vom Bahnhof Reitmehring in die Wasserburger Altstadt wurde 1987, nachdem ein Damm abgerutscht war, zunächst vorübergehend eingestellt. Nur halt nie wieder aufgenommen. Irgendwann gingen die Rechte an der Strecke an die Stadt über und seitdem gibt es Debatten. Die Stadt würde das alte Stadtbahnhofsgelände mittlerweile (nach diversen Verhandlungsrunden mit Interessenten, die ohne Ergebnis blieben) gern anders nutzen, ein Interessensverband versucht das jetzt schon über diverse gerichtliche Instanzen zu verhindern. (Lesen Sie die Kommentare. Regionaler Journalismus lebt!)

So bequem es wäre mit dem Zug direkt nach Hause zu kommen – mittlerweile gehört wohl ein Landschaftsschutzgebiet zur alten Strecke und vielleicht ist die fehlende Direktverbindung in die Altstadt die letzte Hürde zwischen dem Städtchen und der Durchgentrifizierung durch Schadmünchner. Zumindest die hiesigen Mieten nähern sich dem Umland-Niveau.

Aber ich wollte ja gute Sachen schreiben.

Am Ende der Woche im Büro so ein Lightbulb-Moment, weil ich jetzt eine Idee davon habe welche meiner spezifischen Stärken ich im Job vielleicht gezielt gut einbringen kann. Jetzt Lieblingsphase des Pläneschiedens.

Freitag mitten im PMS-Gewinsel von der Timeline mit Kaiserschmarrn getriggert worden und mit Gelüsten ins Wochenende geschleppt. Anstatt Kaiserschmarrn zu machen dann aber die Küche endlich vom Staub befreit, der seit der Renovierung des angrenzenden Lichtschachtes im Dezember über allem lag. Wonach ich erst recht nichts kochen wollte. (Gott segne Mütter wie meine, die mittlerweile am Wochenende Portionen für Großfamilien kochen, damit die arbeitenden Töchter und im Zweifelsfall deren Anhang regelmäßig ein ordentliches Essen bekommen. Zum Beispiel Rouladen, in die Käse kommt, was die Soße unfassbar sämig macht. )

Sonntag dann noch ein Stromkabel durchtrennt, eine Glühbirne beim Einschalten zum Kurzschluss gebracht und den Tageslichtwecker versehentlich von Klaviergeklimper zu Vogelgezwitscher verstellt.
Gehofft, dass es schnell Montag wird. (Wenn sie nicht so früh anfangen würden, fände ich Montage wahrscheinlich super.)

Okay, ‚was gut war‘ ist hier vielleicht eher ein Arbeitstitel. Mehr so ‚was war‘. Work in progress.

Was gut war. KW 1 2017

Ja, dann probieren wir das mal. Aber maximal pro Woche.

Total gemächlich, allein und zufrieden ins neue Jahr gerutscht. Mit neuer Abenteuerlust.

Lustigerweise die danach bisher erhellendste und interessanteste Arbeitswoche im neuen Job. Kaum sind entscheidende Leute nicht da, fällt dem Rest ein, was sie noch gern erledigt hätten. Also mitten rein in Systeme und Projekte, auf die Hinterbeine stellen und neue Quellen für Informationen anzapfen. Anstrengend, wichtig, toll. Immer noch sehr begeistert von allem. Ich merke jetzt erst, wie das ist, wenn man im Büro nicht der größte Nerd oder der einzige Fußballfan ist. Ungewohnt, fast einschüchternd. Aber eben auch super.

Im Grunde sind 4-Tage-Wochen mit ruhigem, pünktlichem Pendelverkehr meine perfekte Umgebung. Dann habe ich auch Muse, um die Zugfahrzeit richtig zu nutzen. Für Notizen und Gedanken, Podcast und Musik. Das ist sonst nicht immer so möglich, weil (das Grafinger Gschwerl seine anderen Optionen nicht wahrnimmt) mein Bummelzug übers Land relativ beliebt ist.

Donnerstag den Bürotag mit Schnaps beendet. (Again: I found my people)

Den heiligen Drei-Minusgrade Freitag im Schlafanzug und mit rumpuscheln (TM Gröner) verbracht. Steuererklärung, bisschen Hausputz, viel rumlungern. Frühstück mit perfekten Semmeln auf die Maronicreme oder Lemon Curd kam. (all hail the sweet breakfast!)

Samstag mehr Haushaltsdinge, Korrespondenz, etc. Headhunter per Email vertrösten.

Sonntägliches Familienessen samt Ramosgroupie. Lamm mit Orangen-Rotweinsoße und vielen roten Zwiebeln, dazu Prosecco-Risotto (kommt der auch endlich weg.)

Sonntagabend auf Montag früh und das Büro freuen. Allein das macht 2017 schon besser.

< / 2016 >

I wrote my way out of hell
I wrote my way to revolution
I was louder than the crack in the bell
I wrote Eliza love letters until she fell
I wrote about The Constitution and defended it well
And in the face of ignorance and resistance
I wrote financial systems into existence
And when my prayers to God were met with indifference
I picked up a pen, I wrote my own deliverance

Fünfter Versuch eines Jahresabschlussblogeintrages. Vielleicht sollte ich auch die Fragebogenvariante versuchen. Aber nein, jedesmal ein Abdriften in Politik und Gesellschaft, mit zu langem Kommentaren, quasi eigenen Einträgen über FakeNews, Filterblasen und sogenannten Eliten. Immer noch den Bogen weiter fassen. Zu den toten Helden, zu allem was passiert ist. Zu allem, außer zu mir selbst.

Am Ende die harte Erkenntnis: 2016 nur überstanden durch stoische innere Isolation. Durch soldiering on.
Durch das Einsammeln von neuer Energie mit der Hilfe von Hamilton, diesen Internet-Menschen und am Ende genug Druck, um doch noch einen beruflichen Neuanfang zu starten. Der grade wie bei einer Mine eine Art Serotonin-Ader geöffnet zu haben scheint. Alles sehr verwirrend.

Jetzt also intensives Abschütteln von allem. Mit einer guten Prise Wut, aber eben auch dem durch ein fantastisches Umfeld (Ich danke der Academy, meinem Zahnarzt, dem Essen meiner Mutter, der kleinen Schwester, den Pegelwichtlern – speziell dem Tonic-Experten, den ganzen Internetmenschen (die,die ich noch nicht kenne, werde ich kennenlernen. Ihr solltet euch in Acht nehmen), den Lieblings Ehemals-Kolleginnen und dem Erfinder des Rotweins.) gestärkten Rücken in Richtung 2017. Im Gepäck die Dankbarkeit für Gesundheit bzw. medizinische Versorgung, ein Dach über dem Kopf, eine Familie, einer immer noch stehenden Demokratie und der daraus resultierenden Freiheit hier einfach Sachen in ein Textfeld zu tippen und anschließend, mit der Weinflasche in der anderen Hand, auf ‚Veröffentlichen‘ zu klicken. Doch, doch, das ist gut.

An der Pinnwand jetzt ein Zettel mit realistisch anpeilbaren Zielen für das kommende Jahr.
Fuß fassen in Unterföhring
Köln
Hamburg
Florenz
Verlieben
Zweites Projekt (ach zur Hölle, was bin ich immer so feige) Drehbuch fertigstellen.
Irgendwas spontanes
Irgendwas zum Bereuen
Irgendwas zum über sich selbst wundern
Irgendwas einfach so für jemand anderen

Im Zweifel, könntet ihr mich dran erinnern? Das wäre super, danke.

Meistgesehenes Video, meistgehörtes Album, inspirierendste Zeilen, überhaupt. Danke Mr. Miranda. The world turned upside down, indeed.