Symmetrie ist das halbe Leben

Und da sitzen wir neulich, meine Frau Mutter und ich, und schauen “Aviator”, das Biopic über Howard Hughes. Flugzeuge, Filme, mit DiCaprio, sie erinnern sich? Und wenn schon. Es gibt in diesem Film jedenfalls eine Szene da will Herr Hughes nur sein Steack genießen, in einem Restaurant und in Begleitung von Katherine Hepburn (!). Sollte kein Problem sein, oder? Er hatte sich auch Erbsen dazu bestellt. 12 Stück, um präzise zu sein.   Die waren in 3 sauberen Reihen auf dem Teller angeordnet.   Ist doch nett, oder?

Aber dann kommt dieser Honk Errol Flynn (Jude Law, auch ein Honk, wie passend!) und pfuscht mit der Gabel auf dem Teller rum, zerstört die Ordnung. Howard kann das nicht ertragen und verlässt samt Begleitung das Restaurant.   Es war just in diesem Moment als meine Mutter sich zu mir umdrehte und sagte : “War der das gleiche Sternzeichen wie du?”

Nun muss man erklären, dass meine Frau Mutter ein wenig der Astrologie anhängt, nichts verwerfliches und weiß Gott unterhaltsam. Allerdings führt es dazu, dass sie Parallelen zieht wo nicht unbedingt welche sind. (For the record: Herr Hughes ist Heilig Abend geboren, mehr als 3 Monate nach meinem Geburtstag) Und so ist sie der Meinung dass meine bezaubernde Mischung aus Exzentrik und Ordnungswahn (ich meine nicht aufräumen, ich meine ordnen) mit der Planetenstellung zum Zeitpunkt meiner Geburt zusammen hängt.

Sie murmelt dann gern “Karl Lagerfeld” oder “Goethe” und ich zische “Greta Garbo” und “Sophia Loren”.   Ich meine, ja gut, ich falte meine Taschentücher entlang der Linien zu Quadraten, ja und? Ich mag auch dazu neigen Nahrung auf meinem Teller zu Gruppieren. (3 Stück Kohlrabi, aber noch 5 Karotte, wie soll sich das ausgehen?)   und Bücher die im Regal nebeneinander stehen sollten doch wirklich die gleiche Höhe haben, richtig?

Ich bin ja nicht neurotisch. Und auch kein Freak. Neulich, in der U-Bahn hat noch jemand sein Taschentuch so gefaltet obwohl meine Familie Stein und Bein schwört ich sei der einzige Mensch auf Gottes weiter Erde der das tut. Und erzählt mir ja nicht, das sei nicht nützlich! Ich finde alles wieder, alles! Ich besitzer überhaupt keine Kissen die nicht zu den Vorhängen harmonieren! Und man kann benutzte Teller wirklich besser stapeln wenn man vorher die Gabeln rausnimmt!

Wir (ich bin nicht allein, ich weiß es!) sind doch auch wichtig. Wenn hättet ihr denn um euren Papierkram zu ordnen und regelmäßig den Kühlschrank auszusortieren? Es braucht Menschen wie mich, inklusive ihrer kleinen, wirklich charmanten (!) Ticks. Wir mögen Dinge anders priorisieren als ihr (“Deine Schuhe stehen untern Tisch!” – “Ja, aber sauber nebeneinander.”) und manchmal wirken wir wohl einfach seltsam. (“Wieso um Himmels willen hebst du dir  die oberste Schicht  der Lasagne bis zum Schluß auf?)

Aber wir sind auch großartig, auf unsere Weise. Oder kommt heute noch eine Krimiserie ohne den pingeligen aber genialen Typen aus ? Also behandelt uns besser gut, denn wir bringen Ordnung in die kleinen Dinge des Lebens. Und ja, es bereitet uns schmerzen wenn eure Teller wie ein Schlachtfeld aussehen.

4 thoughts to “Symmetrie ist das halbe Leben”

  1. Kleidung ordnen ist auch toll.

    T-Shirts: 3 Reihen (schwarz, farbig, weiß)
    Pullis: 3 Reihen (schwarz, farbig, farbig die ich nicht gern anziehe)
    Socken: 4 Reihen (weiß, schwarz, grau, alles andere)
    usw.

    Wir haben alle unsere Ordnungsfimmel, oder? Und Bücher sehen nun mal am Besten aus, wenn sie nach der Größe geordnet sind (und innerhalb der Größen nach der Dicke des Buches).

    ps – die oberste Schicht der Lasagne schmeckt am Besten!

  2. Dann lass uns doch Frankfurt machen. Da können wir gemütlich hin und zurück und Sonntag vormittag ist Platz für Brunchen :-)

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