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Seit Ewigkeiten steht auf meiner To-Do-Liste ein Blogeintrag zum Thema Pendeln. Also eigentlich zur Verteidigung des Pendelns. Zu den Kosten der Entscheidung nicht zu leben wo man eben arbeitet, sondern zu leben wo man leben will, auch wenn die Arbeit ein paar Meter weiter weg ist.

Dann wurde binnen kürzester Zeit in etliche Geschäfte hier in der kleinen Stadt am Inn eingebrochen. Anschließend wischte Niklas einmal durch und es war noch nicht aufgeräumt als ein paar gelangweilte Backfische Mülltonnen angezündet haben und die kleine Sparkassen-Filiale es grade so überstanden hat.

Und während nichts davon mich dazu bringt die Flucht in die Landeshauptstadt anzutreten, denke ich seitdem darüber nach wie schwierig es ist im Netz ehrliche Ambivalenz zu artikulieren. Nicht nur bei eh schon schwierigen Themen wie dem Netzfeminismus oder Politik, sondern eben schon bei so individuellen Entscheidungen wie den Lebensumständen.

Das hat auch ganz viel mit dem umherwehenden Widerspruch-Reflex zu tun. Man schreibt einen Beitrag und erklärt warum man dieses so sieht oder jenes so tut und macht das manchmal nur um sich selbst klarer zu werden. Schreiben als Reflexion. Wenn man aber nun auf „publizieren“ klickt, impliziert der so im Internet herumstehende Beitrag fcür viele dann schnell nicht nur die Reflexion, sondern geradezu eine Aufforderung. Ich sehe das so, darum solltest du das auch so sehen!

Natürlich, bei etlichen älteren Herren im Föjeton mag das tatsächlich der Fall sein, denn sie scheinen oft Schwierigkeiten damit zu haben, dass andere Menschen Dinge anders betrachten sich anders verhalten und sich darob vielleicht erbeten, dass ältere Herren ihr eigenes Verhalten gegenüber anderen eventuell überdenken.

Ich bin kein älterer Herr im Föjeton. Und wenn ich anfange zu schreiben, dann meistens weil ich einen Gedanken im Kopf nicht fertig bekomme. Das kann positiv oder negativ, fragend oder kritisch sein. Meistens fängt es mit einem Grundgefühl in Richtung HMPF an, grummelt sich einmal durch meinen Kopf und ist aber nicht greifbar genug, um die Sache für mich abzuschließen.

Dann setze ich mich in und fange an zu tippen. Es kann ein Rant werden oder eine sehr verklausulierte Frage ans Universum. Manchmal sind es Selbstzweifel und der leise Wunsch nach jemandem der sie zerstreut.
Früher hat es mir nichts ausgemacht, dann trotzdem auf „publizieren“ zu klicken. Warum auch. Das ist mein Blog, meine Sandkiste, wer nicht mitspielt fliegt raus.
Aber das hat sich verändert.

Wo so viele wollen, dass man alle Stimmen hört und zur Kenntnis nimmt, ist es schwer eine Stimme zu sein, die sich gar nicht klar auf eine Seite schlagen will.

Pendeln ist doof. Nicht da wohnen wo man wohnen will ist doof. Ich hab mich für Pest statt Cholera entschieden. Ist doch gut, der Immobilienmarkt braucht solche Leute. Mehr wollte ich gar nicht sagen. Carry on. Wo auch immer.

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