Sonne. Sonne ist gut. Auch wenn man immer noch bei -2 Grad aufwacht und mürrisch zum Mantel greift. Dieses Vitamin-D-Ding funktioniert. Die Sonne scheint auch mein Planungs-Gen in eine angenehme Richtung zu lenken. Statt besorgt zu sein, dass das alles nicht in der Zeit oder mit irgendwelchen Mitteln hinhauen kann, denkt man sich einfach mal neue Sachen aus. Das hilft ungemein.

Endlich Onboarding. So eine Veranstaltung, die eigentlich in den ersten Wochen des neuen Jobs stattfinden sollte – was schwierig wird, wenn die Firma plötzlich jeden Monat Dutzende neue Menschen einstellt. Trotzdem, das Ritual ist angenehm und eben doch noch ein Schritt des Ankommens. Nach fast vier Monaten sind darum zwei Dinge klar: Die S8 ist selbst für den Münchner Nahverkehr eine unsagbare Peinlichkeit und – der Schritt zurück ins Angestelltendasein war richtig. Ich kann hier nicht nur gut arbeiten und mich einbringen, ich passe vor allem hierher. Das ist neu und sehr angenehm.
So reizvoll gewisse Freiheiten in der Selbständigkeit sind, mein persönlicher Hauptgrund dafür war auch immer die schwierige Sozialisation in den Büros in denen ich bis dato gearbeitet hatte. Aufgeregt bis hysterische Hochdruck-Butzen mit mittelqualifizierten Teamleitern und Führungskräften mit Zahlen-Fetisch. Mittagsgespräche zwischen Low-Carb, Tinder und Schuh-Outlets. Jetzt: Technik, Fußball und Zoten. Alles ist besser, wenn man seine Leute findet.
Da macht sogar der Onboarding-Tag, eine Aneinanderreihung von Vorträgen diverser Abteilungen Spaß, weil man nebenher mit einer neuen Kollegin über die gemeinsamen Auftraggeber lästern kann.
Und bei der Studioführung steht in einem Eck eine Kopie des Champions-League Pokals. Hach. (Komm ruhig Cristiano. Wir haben keine Angst.)

Ich stelle fest, wie ich mich aber auch absichtlich grade sehr im Job vergrabe, um weniger von der Welt mitzubekommen. Die Twitter-Timeline zankt sich über ein Abnehm-Buch. Immer diese predigenden, unausstehlichen Menschen, die glauben ausgerechnet sie hätten jetzt den Stein der Nicht-Schlanken gefunden. Würden Leute sich zu irgendeinem anderen Bestandteil der individuellen Lebensweise so altklug und unfundiert äußern, wäre der Teufel los. Aber es geht ja nur um Essen und Körper und Gesundheit, da darf es Hinz und Kunz besser wissen. Mich ermüdet es ja nur noch, aber da sind eben auch Menschen in meiner Blase, die diese Debatten treffen. Weil sie wie ein Flashback an Zeiten mit Depressionen, Esstörungen, Minderwertigkeitskomplexen und Selbsthass wirken. Jeder Vollidiot, der seinen persönlichen aber unbedingt darum jetzt auch für alle anderen brauchbaren Diät-Ratgeber rausbringt, sollte Zeit mit einer Therapiegruppe verbringen müssen, die sich von solchen Leiden erholt. Gschwerl, dappiges.
Merken nicht mal ihre eigenen Logik-Löcher. „Seit ich nicht mehr fett bin, bin ich fit!“ Nein, du Idiot, seit du dich bewegst, bist du fit. Ich könnte mir meine stämmigen Oberschenkel schon weghungern, aber deswegen habe ich a) immer noch einen lädierten Hax und b) ich kein Stück vitaler. Meine fittesten Zeiten waren eben nicht automatisch meine schlanksten. Das ist ja nett, dass ihr alle mit 40 eure Midlife-Crisis habt, anfangt Radzufahren, weniger zu essen und es euch dann besser geht. Aber wie könnt ihr euch anmaßen, das für eine allgemeingültige Formel zu halten? WER GLABTS DENN IHR, DASS Ä’S SEIDS? HA??

Tschulligung. Geht gleich wieder. (Ich könnte an dieser Stelle mit einem baugleichen Absatz zum Thema Equalpay weitermachen, aber, ach. Wann genau hat Logik aufgehört en vogue zu sein?)

Der Frühling rauscht heran und ich merke, wie ich mich zum ersten Mal seit einiger Zeit mit quasi allen Aspekten meines Lebens wohlfühle. Der Ort stimmt, der Job stimmt, die Leute stimmen. Vielleicht traue ich mich sogar und sammle ein paar der Menschen ein, die davor unterwegs verloren gingen, weil ich mich vergrabe und als Zumutung empfinde, wenn es grade nicht so läuft. (Haltet mich auf, wenn ich mir die erste Datin-App auf dem Wischphone installiere. Ich erhebe #foreveralone zum gottverdammten Mantra.)
Am Wochenende gleich mal damit angefangen. Was auch sonst, bei beim Dreckswetter.

Allgemein

4 Gedanken zu “Was gut war: KW 11, 2017

  1. Das mit dem Abnehm-Buch muss einen Teil Deiner TL betreffen, der keine Schnittmenge mit meiner hat oder aber ich habe es schlichtweg nicht mitbekommen; ist aber vielleicht auch besser so.

    Zum einen meinen Menschen plötzlich abnehmen zu müssen, die meiner Meinung nach eine völlig normale Figur besitzen, zum anderen nützt es ja nichts, wenn man dann nach 4 Wochen wieder den ganzen Scheiß wie vor der Diät in sich hineinstopft, weil „jetzt darf man ja wieder“.

    Genauso großer Mumpitz sind auch diese Rauchfrei-Ratgeber. Wenn Du nicht mehr rauchen willst, hör halt auf. Hab ich gemacht. War von wenigen Momenten abgesehen gar nicht so schwer. Man gewöhnt sich halt schnell Rituale an, Situationen die man mit Rauchen zu überbrücken versucht, bzw dafür nutzt. Diesen muss man wiederstehen.

    Das mit der Sonne und dem Frühling ist wahr und es geht mir da ähnlich wie Dir: man merkt an sich selbst, dass mit mehr Sonne nicht allein die Krokusse und andere Blumen aufblühen, sondern auch man selbst dazu neigt, das Gesicht mit verschlossenen Augen, leicht dämlich grinsend, gen großem gelben Feuerball am Himmel zu strecken. Und wie sehr man es genießen kann, dass es nicht bereits an 17 Uhr stockfinster ist. Ich mag den Winter, so ist es nicht. Aber es ist trotzdem immer wieder schön, wenn es dann langsam Frühling wird.

    Dating über Webdienste und App (nein, nicht die mit dem t am Anfang für die man zwingend FB benötigt) habe ich versucht. Ernsthaft: ich verstehe nicht, wie das für andere Menschen funktioniert. Aber ich kann mich selbst und wie ich bin auch schlecht „verkaufen“. Außerdem muß man sehr viel aktiv andere Menschen anschreiben und andere Männer sind Schweine und versauen (pun intended) diese Dienste für Leute wie mich. Aber, ich habe ja bereits schon mal über meine Schwierigkeiten in diesem Bereich gebloggt…

    Und, ähm: Du bist ein wunderbarer Mensch. <3

    1. Hach, Danke.
      Die weitschweifigkeit meiner TL ist ja genau das, was ich so an ihr liebe. Fußball, Futter, Feminismus – passt alles in ein paar Tweets. Aber so krieg ich halt am Rande auch manchmal solche Sachen mit. Ich hab dieses Thema hinter mir. Manchmal gibt’s mehr von mir, manchmal weniger. Je glücklicher ich bin, desto mehr bewege ich mich meistens, dann regelt sich das schon.
      Damit bin ich zwar auf dem Dating-Markt noch mehr Nischenprodukt als sonst schon, aber ich hab auch erfolgreich das Fenster verpasst, in dem man derlei Rituale lernt. Ich betrachte mich als den Karma-Ausgleich für Serien-Monogamisten. Ich werde eine schrullige, sarkastische alte Frau mit Stock und vielen Büchern, ganz ohne Kerl. Das wird super. Vielleicht zieh ich dann nochmal ein paar Jahre nach Hamburg ;-)

  2. Ich gehöre offenbar zu dem Teil der Timeline, die besagtes Buch sowohl klasse, als auch wirksam als auch absolut wissenschaftlich fundiert findet. (Ernsthaft: Da sind -zig Studien zitiert, und inhaltlich ausführlich seziert. Was vermutlich für einige Leute ein Problem darstellt, weil es ihre „Für Sie“- und „Goldenes Blatt“-Diättipps zerschießt.)

    Gemäß Tims Ratschlag „Wenn Du nicht mehr rauchen willst, hör halt auf“ (hab’ ich übrgens so gemacht, hat fabelhaft funktioniert) besagt der Ratgeber nichts anderes als „Wiege alles ab und nimm weniger kcal zu dir als du verbrauchst, fertig“. Mir hat’s sehr geholfen, aber das darf man in der Timeline nicht mehr laut sagen, das ist jetzt offenbar Hatespeek und Grund zum Geblocktwerden. Stattdessen wird sich von sonst klugen Frauen mit Ignoranz gebrüstet und es werden von augenscheinlich neidzerfressenen Frauen, die sich ansonsten als Feministinnen gebärden und deren Bücher zum Thema Diät leider nicht so viel Anklang finden wie erhofft, aus dem Kontext gerissene Passagen sinnentstellend zitiert und bösartige Gerüchte über die Autorin des kontroversen Bestsellers in Umlauf gebracht (à la „hat die überhaupt einen echten Doktortitel?“), nur weil’s bei ihnen halt, warum auch immer, nicht so gut funktioniert hat. Perfide. Es macht mich – als Feministin – wütend und traurig, so etwas gerade von Feministinnen zu lesen.

    Was ich aber eigentlich sagen will: Du bist super. Ich lese Dich so gerne und ich freue mich wirklich dass Du einen so tollen Job gefunden hast, bei dem das Team stimmt. Denn ja, auch bei mir ist das oft genau der Punkt, an dem ich mir sage ‚solche Deppen brauche ich nicht, danke, da kämpfe ich halt lieber alleine weiter‘, obwohl ich eigentlich von einem guten Team profitieren würde (und es von mir). Na, mal sehen, was das Jahr noch so bringt.

    1. Ich hab gar nix gegen die Autorin, ich hab mich ehrlich gesagt mit genau diesem Buch bzw. Thema nur bedingt beschäftigt. Aber mir fällt halt auf, dass diese „ich hab’s geschafft und du kannst das auch“-Fraktion manchmal was höchst unangenehm predigendes an sich hat. Wenn jemand abnehmen will und einen Weg für sich findet und sich dann besser fühlt, freue ich mich ehrlich für einen Menschen.
      Aber insbesondere die Abteilung Abnehmen=mehr Fitness macht mich in ihrer rabiaten, unlogischen Art halt ungehalten. Hungern macht nicht fit.
      Dieses ganze Diät-Thema ist im feministischen Kontext natürlich wie Schwarzpulver. Weil jedes Ansinnen einer Frau sich zu verändern unter dem Verdacht steht, sie könnte das nicht um ihrer Selbstwillen vorhaben.
      Ich versuche da nach einer Faustregel zu leben: Ich kann nicht in deinen Kopf/Bauch gucken und du nicht in meinen. Solange du mir nicht erklärst was ich falsch/richtig mache oder zu tun habe, werde ich den Teufel tun und dir in deine Entscheidungen reinreden. * (* für alle zukünftigen Debatten zum Thema religiöse Indoktrination von Frauen und der Doppelzüngigkeit des Netzfeminismus zu davon geprägten Lebensentscheidungen. Jetzt mach ich das nächste Faß auf. Herrschaftszeiten, tschuldigung.)

      worauf ich hinaus will: Du bist auch super.

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