Sie müssen wissen, dieser Blog-Eintrag startet im Laufe so einer Woche als Email-Entwurf. Da gucke ich dann hin und wieder rein, z.B. wenn ich nach der Mittagspause noch etwas dösend an meinem Kaffee nippe und schreibe, was grade so los ist. Das führt manchmal sehr ins Detail und fliegt dann wieder raus, bevor ich auf Veröffentlichen klicke. Denn natürlich kippt man in so einen Email-Entwurf auch manchmal was einem gerade so durch den Kopf geht. Was in meinem Fall geradezu gefährlich ist. Sie kennen das bestimmt. (Geneigte Leser Siezen oder Duzen, das ist auch immer so eine Sache. Das Sie klingt halt einfach besser, das Du wäre angesichts des Tons den ich manchmal anschlage aber vielleicht angebrachter, weil ich schlicht davon ausgehe, dass wir uns mittlerweile gut genug dafür kennen. )

Warum ich das schreibe? Weil es just in diesem Moment ein kleines Wagnis ist, die Angelegenheit als Email anzulegen. Ich befinde mich nämlich in einer temporären Inbox. Also einem Postfach, das nur so tut als ob, während im Hintergrund große technische Dinge verändert werden, damit es, wenn ich es richtig verstanden habe, in Zukunft einfacher ist Email zwischen England und Deutschland zu verschicken. Sowas in der Art. Dieses Konzept einer temporären Inbox, eines vorübergehenden Zustandes, ist grade sehr interessant für mich. Als Mensch der seit – Moment, lassen Sie mich nachschauen – ca. 1999 mehr oder weniger Blog-ähnlich ins Internet schreibt, hat man ja Dinge auftauchen und wieder verschwinden sehen. Menschen, Anwendungen, Kommunikationswege. Schon eine Weile hege ich die Vermutung, dass sich eine Art Schule der digitalen Archäologie finden wird, die aus Exporten von schließenden Diensten, vorhandenen Cloud-Schnipseln und eventuell länger bestehenden Plattformen wie Blogs zusammensetzen wird, wie die Generation der unsteten Schreiber einerseits jede neue App, Schreibhilfe, Link-Merker oder Speicherdienst ausprobiert hat, um am Ende in die heimischen Gefilde zurück zu kehren. Also das bevorzugte Soziale Netzwerk, das eigene Blog oder sogar, herrje, Notizbücher.

Meine Güte, da hab ich mich verfranst. Eigentlich wollte ich über die praktische Unpraktikabilität (mir egal, dass es das nicht gibt, ich brauch es jetzt.) von temporären Mailboxen reden. Weil alle Regeln und Filter und Terminreihen die einem gehören, plötzlich futsch sind. Dann merkt man, wie wichtig es selbst im Büro ist, dass man heute Kommunikation steuern und umverteilen kann. Was zum Beispiel beim Gespräch in der Runde und am Telefon eben nicht geht. Stellen Sie sich das mal vor, ihr Gegenüber am Telefon würde ein Thema anschneiden und sie könnten sagen – können wir die Konversation in einen anderen Ordner verschieben, die beantworte ich dann morgen? Unhöflich, natürlich und – vor allem – es entfielen diese kleinen Gesprächstaschen in denen man zufällig landet, weil man von Thema xy zu Thema abc kommt und plötzlich wegen einer gemeinsamen albernen Erinnerung zu lachen anfängt. Das wäre dann doch schade. Im Büro allerdings, bin ich für diese Regelung unsagbar dankbar.

Großen Teil der Woche mit Power-Point-bedingten Flashbacks verbracht. In meinem Studiengang hat man keine Hausarbeiten geschrieben, wir haben Zeug präsentiert. Wir waren Power-Point-Karaoke-Weltklasse. Die Aufgabe, die ich mir letzte Woche eingefangen hatte, vor wichtigen Zughörern, dann doch ordentlich gemeistert. Gebt mir ein Thema, eine Stunde mit Power Point und Publikum, den Rest regelt mein automatischer Rede-Impuls. Inklusive Bonuslob (Da ist wieder dieses Honeymoon-Gefühl für diesen Job.)

Als hätte Karma das Frühlingshoch extra für mich bestellt, hatte ich mir Freitag freigenommen. (Okay, eigentlich wegen eines Zahnarzttermins und weil ich eh noch einen Tag zu viel hatte, aber, bleiben wir bei der poetischen Variante.) Am Donnerstag also nach viel zu langer Pause mal wieder beim #tpmuc vorbei geschaut, einem ganz, ganz ursprünglich mal auf meiner Schnapsidee basierenden Fußballstammtisch. So viel gelacht, geredet und getrunken, dass der Hals noch den ganzen Freitag gekratzt hat. Einzig korrektes Gegenmittel: Auch Freitagabend draußen sitzen, Bier trinken und reden. Dieses Mal mit dem Ramosgroupie und ihrer Gang. Als dazwischen ein Kind flummiartig rumhüpfte, hatte ich einen von diesen Momenten in denen einem klar wird, dass man jetzt zu den Erwachsenen gehört. So wie wir früher an solchen sommerlichen Abenden rumgenervt haben, bis wir den Schaum vom Bier probieren dürften oder gleich ein Noagal austranken, um dann ein bisschen später als sonst, aber dafür wenigstens richtig müde, ins Bett zu fallen. (Bitte sprechen wir nicht mehr über Kommasetzung. Vielleicht sollte ich diese wöchentlichen Einträge in „Schreibübung, KW xy umbenennen.)

Nachdem es in meinem Leben Phasen gab, in denen ich davon überzeugt war ein solches Alter nicht erreichen zu wollen, passt es jetzt dann doch. Dinge fügen sich. Es dauert bei mir halt alles ein wenig länger als bei anderen.

Samstag und Sonntag größtenteils in der Sonne rumgefläzt, Wein getrunken, versucht einen Podcast aufzunehmen, um damit schließlich Sonntagabend wohl den überalteten Laptop geschrottet. Aber, und das ist bemerkenswert, deswegen gar nicht hysterisch reagiert. Mehr so ein ja mei Gefühl. Und das mir! Angesichts von kaputter Technik! Dinge fügen sich indeed. Vielleicht will ich gar nicht direkt wieder ein mega-leistungsstarkes-schnickschnack-Notebook. Mal gucken, was ich tatsächlich brauche. Auch so ein erwachsenes Ding. Weniger Hype, mehr Bedürfnis.

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