Oi vey.

Montag völlig verpeilt erwacht und erst langsam daran erinnert, dass ich für die nächsten Wochen eine andere Taktung morgens brauche. Statt in meinen praktischen Durchfahr-Bummelzug zu steigen, geht es erst Richtung Rosenheim und von da aus gen München. Das ist morgens die einzig annehmbare Alternative zum Schienenersatzverkehr zwischen Ebersberg und Grafing (wir berichteten.). Und – zumindest das Panorama zwischen Rosenheim und München ist nach wie vor eines der hübschesten, an dem man so vorbeiziehen kann. Natürlich ist da auch viel Flashback dabei, denn das ist die Strecke die ich vor der Umstellung der stündlichen Verbindung von Wasserburg nach München gefahren bin.
Das waren weniger lustige Zeiten. Es sind nur 6 Wochen *Mantra aufsag*

Als hätte sich die Online-Gemeinde heimlich verabredet saß ich Montagabend in meinem klapprigen Ersatzverkehr und bekam Komplimente für mein profanes Geschreibsel hier. Derlei macht mich ja immer ganz flatterig, so innen drin. Obwohl ich schon lange schreibe und Menschen immer wieder wahnsinnig hinreißende Dinge darüber gesagt haben, ich sogar hier und da meinen Lebensunterhalt damit verdienen konnte, ist es etwas Besonderes wenn jemand einfach so einen Text liest und denn dann richtig gut findet. Manchmal kommt es mir vor, als wären Komplimente zu meinen Texten für mich ähnlich kompliziert wie Komplimente zu meinem Äußeren. Während ich bei letzterem weiß warum mich ein ernsthaftes Kompliment sogleich vollkommen aus der Bahn wirft, hab ich den Schreiber-Komplex nie komplett auseinandergenommen. Ich wüsste ja kaum wo ich anfangen soll. Zunächst gibt es in meinen Augen in diesem Internet so viele Menschen die toll, noch viel besser als ich, schreiben können. Die erzählen und erklären oder einfach nur witzig sind. Es können sich ja selbst kluge Menschen kaum darauf einigen was ein guter Text ist, fragen Sie mal in Klagenfurt nach.
Wenn sich also mehrere, von mir respektierte Personen darauf einigen können, dass ich gern lese was ich hier reinschreibe, habe ich immer so einen kleinen Herzinfarkt.

Dienstagabend die erste richtige SEV-Odyssee inklusive Frust-Leberkassemmel und Zuhause dann Kuchen und Wein. Nach den 6 Wochen werde ich Heilfasten oder ähnlichen Blödsinn machen müssen.
Der Spieltags-Mittwoch begann herrlich passiv-aggressiv, mit einem Schaffner auf der Rosenheim-Strecke, der zwar keine Details über meine Baustelle wusste, mich aber darüber informierte, dass mein Ergänzungsticket de facto als Schwarzfahren gilt. Zur Erklärung (wenn Sie das Südostoberbayerische Verkehrsnetz so langweilig finden, wie ich Schuhgeschäfte, einfach den Absatz überspringen.): Ich habe eine Isarcard, mit der ich eigentlich ab dem 1. MVV-Halt – meine alte Heimat Aßling – bis nach München komme. Wenn ich von Wasserburg via Rosenheim nach München will, fehlt mir ein Stück. So jedenfalls mein Gedanke, als ich morgens ein Ticket von Wasserburg nach Aßling zubuchte, um bis nach München zu kommen. In Rosenheim steige ich in einen Zug ein, der von dort bis München durchfährt, meine einzige Alternative, um nicht 45 Minuten später, sondern nur 20 Minuten später ins Büro zu kommen. Sie ahnen: Der Zug hält nicht in Aßling und darum, so weiß ich nun, zählt auch mein Ticket nicht.
Mr. Bitchy zählte dann irgendwas von Verkehrsverbünden und „das ist aber halt so“ auf, worauf ich sowieso besonders verständnisvoll reagiere, um mir letztendlich zu erklären, dass ich bei erneutem Zuwiderhandeln (das Wort wollte ich immer schon mal anbringen) mit 60 Euro Geldbuße zu rechnen habe.
Das heißt: anstatt für die gleiche Strecke eine Kombi aus Isarcard und normalem Ticket lösen zu können, muss ich bis Anfang Juni jeden Tag das Ticket für die komplette Strecke lösen. Da geht er hin, der Quartalsbonus, der aber schon so dermaßen anders verplant war. Ich verbringe Mittwochvormittag mit einem Wut-Kloß im Bauch.
Eines Tages läuft mir so ein Verkehrsverbund-Absprachen-Mensch über den Weg und dann gnade ihm Gott.

Neben einem absurd vollen Arbeitstag, arbeitet sich die Twitter-Timeline an einem Tweet zum Thema Kindergartengruppen im öffentlichen Berufsverkehr ab. An vorderster Front debattieren innenstädtisch wohnende Menschen, dass sich die Pendler mal nicht so anstellen sollen. Außerdem wird gleich mal die Kinderhass-Keule rausgeholt, drunter machen wir’s ja nicht. Dass es auch für Kinder ätzend ist, in eh schon volle Züge/U-Bahnen steigen zu müssen oder Lehrkräfte manchmal einfach zu doof sind, um daran zu denken – für differenzierten Austausch haben wir da zu wenig Zeichen. Natürlich steht und fällt das Ganze mit dem generellen Auslastungsproblem des Münchner Nahverkehrs. Wäre die Überbelastung nicht Standard, sondern Außnahme, ertrügen wir ein paar hereinstürmende Schratzen auch besser. Aber ich lass mir natürlich gern von Nicht-Pendlern erklären, was ich zu ertragen habe. (Wenn einer schreibt, dass wir doch dann alle nach München ziehen sollen IST DER WATSCHENBAM SOWAS VON UMGFALLEN.)

Reden wir einfach nicht mehr über Fußball, ja? Gottseidank arbeiten mir bekannte, berüchtigte BVB-Fans in anderen Teilen des Firmengebäudes.
(Meisterschaft 27: Check.)

Das lange Wochenende begann schon Freitags und sollte eines voller interessanter Begegnungen werden. Vor allem mit Menschen, die grade große Umwälzungen in ihrem Leben starten, die Entscheidungen getroffen haben. Zu wissen, wie befreiend das sein kann, macht mich immer auch ein bisschen mit-glücklich. Das beflügelt für die eigenen Pläne, macht Hoffnung. Und hilft vor allem, wenn man anderen durch eine blöde Übergangsphase helfen muss. Es wird wirklich anders. Immer.

Außerdem am Freitag mal optimistisch die Hausbar um Bier und Limo erweitert. Komm schon Sommer, ich habe einen Balkon, keine Champions-League Termine und auch keine Geduld mehr.

Sonntag endlich den richtigen Ersatz für den kaputten Laptop in Empfang genommen. Mit i5, 8GB RAM und SSD. Endlich angekommen im 21. Jahrhundert. Sobald ich und der schicke Silberling uns angefreundet haben, wird er mal als Podcast-Produzent getestet.

(Ich verspreche, das war’s erstmal mit Pendel-Geheul. Und Fußball. Vielleicht reden wir nächste Woche über… das Wetter? Eishockey? Einen neuen Titel für diese wöchentliche Beschwerde-Sammelstelle?)

Allgemein

2 Gedanken zu “Was gut war: KW 17, 2017

  1. Doofe Frage: zahlt Dein Arbeitgeber Dir normalerweise das Ticket? Gibt es keine Möglichkeit, das er das für die Zeit des SEVs aufstockt, damit Du vernünftig zur Arbeit kommen kannst?

    (Ich vermute Mal wahrscheinlich nicht, weil es eben kein kleines mittelständisches Unternehmen ist)

    1. Nein, das Ticket wird nicht bezahlt, dafür hole ich mir das später bei der Steuer wieder ;-) Und, hätte es absolut höchste Priorität für mich, könnte ich es mir sogar leisten ein zusätzliches Monatsticket zu kaufen (auch eine Form von Luxus.) , allerdings ist es eine von diesen prinzipiellen Sachen, die mich viel zu sehr nerven, als dass ich nachgeben kann. Dieses Pick Your Battles hab ich noch nicht so voll im Griff. Gut, dass es Twitter gibt ;-)

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