Kennen Sie das Gefühl Freitagnachmittag schon quasi keine wichtigen To-Dos mehr zu haben und darum durchaus sehr entspannt um kurz nach fünf das Büro zu verlassen? Wir wissen aber auch alle wie trügerisch das ist, korrekt?
Nachdem ich also Montag tropfnass (Danke Mai, ganz toller move.) ins Büro ankam, wartete eine quasi schon komplette Aufgabenliste auf mich. Na gut, Ärmel hochkrempeln und rein ins Getümmel. Draußen ging eh die Welt unter. (Again, Mai, u serious?)

Trotzdem den ganzen Tag in merkwürdiger Stimmung verbracht. In der Nacht auf Montag hatte ich einen der hässlichsten Träume an die ich mich erinnern kann. Jemandem aus meinem Umfeld war eine unaussprechliche Tragödie passiert und ich verbrachte den Traum damit, um die in Trauer ertrinkende Person zu kämpfen. Dafuq Unterbewusstsein. Ich meine ernsthaft, wie kommt es zu derartigen Szenarien? Wo Schlag doch gedacht ist, um sich zu erholen.
Jetzt wo ich es aufschreibe, bekomme ich zum ersten Mal Distanz dazu. Überhaupt, das Aufschreiben. Seit knapp – äh, 18 Wochen ? – schreibe ich diese kleinen, etwas wirren Wochenzusammenfassungen und fast genauso lang frage ich mich, wie ich es ausgehalten habe, ohne das Rausschreiben.
Nicht, dass nicht geschrieben wurde, das immer. Aber der Akt des Veröffentlichens hat immer noch etwas zu tiefst therapeutisches an sich. Der Prozess, die Gedanken die man sich macht, ob das auch so raus kann, die Dinge die gelöscht oder anonymisiert werden, das ordnet und gewichtet auch in einem selbst alles neu.
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Vor kurzem hab ich mich ja schon mal über dieser Lieferdienste für fertig portionierte Rezeptzutaten gewundert und am Montag kam mir dazu noch ein Gedanke: Reste. Wie glorreich kann ein Kühlschrank voller Überbleibsel sein und was für Entdeckungen man macht, wenn man sich traut damit zu experimentieren. Ich hatte zum Beispiel an diesem hässlichen, verregneten Montag noch ein Stück einer Lammstelze mit einem Rest Sauce. Andererseits hatte ich mir schon eine Semmel aufgetaut. Also den Improvisations-Modus angeschaltet. Lammstelze mit einem Stück Butter, einem Schluck Wein und einem Rosmarinzweig in einer Form in den Ofen geschoben, Semmel aufgeschnitten. Nach ein paar Minuten war das Lammfleisch warm und es hatte sich ein dünnflüssiger Sud gebildet. Sud auf den Semmelhälften verteilt, zartrosa Lammfleisch in feine Scheiben geschnitten und oben drauf gelegt. Bestes Abendessen seit Langem. Ein Hoch auf die Restl-Küche!

Für mehr als Improvisation ist nicht Zeit in einer Woche die sowohl Voldeball ™, Eishockey als auch den Eurovision Song Contest enthält. Ich meine, Oida. Irgendwann muss ich hier mal noch ausführlich über den spezifischen Adrenalin-Rausch beim Eishockey schreiben. (PENALTIYS! MUSSTE DAS SCHON WIEDER SEIN! JUNGS!)

Zwischen den oben erwähnten Großereignissen, dem erneuten Büroumzug (bis Freitag großes packen, damit am Samstag die Facility-Elfen in großem Tetris 110 Mitarbeiter umziehen) und ein bisschen Zug-Chaos (the usual), rauschte die Woche in Rekordtempo vorbei.

Wochenende: Begann super, verwandelte sich in die fieseste Magen-Darm-Geschichte seit Jahren. Das geht doch so nicht.

Wenigstens das Wetter wird langsam.

  1. Dazu gab es am vorigen Wochenende auch wieder so eine Sache. Vor vielen, vielen Jahren, als ich dachte, ich könnte meiner liebenswerten aber eher wenig planerisch veranlagten Mutter näher bringen, warum Dinge bei mir eine bestimmte Ordnung oder Reihenfolge haben und ich bei allzu spontanen Aktionen schon mal gar keinen Spaß habe, versuchte ich ihr zu erklären, dass ich dahingehend ähnlich wie Menschen mit Autismus veranlagt bin. Das war lang bevor Autismus in einer breiteren Öffentlichkeit als Spektrum wahrgenommen wurde. Das Bild war noch sehr vom Bild eines unkommunikativen, fast schon isolierten Sonderlings geprägt, der auf bestimmte Anzahlen oder Reihenfolgen bestand und nur bedingt am „normalen“ Leben teilnehmen kann. Intelligent aber empfindsam, um es sehr simpel zu formulieren. Das hat sich, im Gegenteil zu meiner Mutter, mittlerweile geändert. Heute ist klar, dass Autismus nicht nur in sehr unterschiedlichen Formen sondern eben auch unterschiedlich stark ausgeprägt auftritt. Und es womöglich eine große Anzahl von Menschen gibt, die bis heute ohne ordentliche Diagnose durch die Welt wandern. Sie kommen nie drauf, wessen Mutter jetzt immer davon erzählt, wenn sie etwas über Autismus gehört oder gelesen hat, weil das dann doch verdächtig nach ihrer arg introvertierten Erstgeborenen mit dem viel zu guten Gehör klingt. Genau. Ich weiß noch nicht wie ich das finde. Mit allem was ich lese, habe ich noch größere Hemmungen darüber mit einem Experten zu sprechen. So befreiend Diagnosen sein können. Ich weiß nicht, ob diese mir wirklich helfen würde. Mal sehen, was mein Unterbewusstsein daraus macht. Mal sehen, ob ich diesen Abschnitt veröffentliche.

Allgemein

Ein Gedanke zu „Was gut war: KW 19, 2017

  1. Weil es mich gerade anfiel: Du hast „Schlag“ statt „Schlaf“ geschrieben: „Wo Schlag doch gedacht ist“.

    Davon ab: das mit sich Diagnostizieren lassen ist wirklich schwierig, nicht nur wenn es um die verschiedenen Ausprägungen von Autismus, sondern auchdenen anderen Krankheiten die sich um den Geist drehen handelt. Die ziehen dann, im Falle einer positiven Rückmeldung, nämlich andere Konsequenzen nach sich: wie gehe ich damit? Wem erzähle ich davon? Fühle ich mich wirklich dadurch besser, das ich davon weiß? etc.

    Und im Falle der negativen Rückmeldung muss man dann damit leben, das man einfach wirklich nur ein Sonderling ist…*seufz*

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