Hot Town, Summer in the City. Holla die braungebrannte Waldfee.
Der Sommer brannte auf Bayerisch-Monaco hernieder und die Bevölkerung spaltet sich mehr als sonst in Befürworter und Gegner.

Auch wenn ich längst nicht mehr der Sommer-Hasser von früher bin (ein Sonnenstrahl und ich war das leidende Kopfschmerz-Elend), trage ich immer noch eine gute Portion Wehmut durch diese Jahreszeit, wie eine zweite Sonnenbrille.
Diese Mischung aus Tatendrang und den Gedanken, die woanders sind, machte den Wochenanfang aus Arbeitssicht so mittel erfolgreich. Weniger geschafft als vorgenommen, aber lange genug auf Dinge gestarrt, um Details zu bemerken und zu korrigieren.

Vielleicht ist es auch einfach das Alter. (Im Hintergrund fängt Lana del Rey an zu singen. Summertime Sadness.) Nie ist die Leichtigkeit der Jugend präsenter als im Sommer. Selbst wenn man selbst nie auch nur einen Funken Leichtigkeit in sich trug. Man fängt an zu vermissen was man so nie hatte. Sehnsucht nach Erinnerungen, die nie passiert sind. Sepiafarbene Ferien-Nostalgie.
Innen drin wieder das Gefühl als würde sich etwas anstauen. Irgendwo zwischen dem großen Roman meiner Generation und einem hysterischen Heulkrampf.
Man will Briefe an Menschen schreiben, die sonst nur noch als Geist in der eigenen Retrospektive auftauchen. In schwachen Moment würde man sich bereit erklären das Herz zu verlieren, den Kopf, gar den Verstand, für einen großen, unvergesslichen Sommer.
Am Ende überwiegen Pollen, Staub und Schweiß gegen Nächte am Lagerfeuer und Tage am See. Wenn man doch nur den eigenen Lebensrhythmus von Juni bis September einfach umstellen könnte. Lang nach Mitternacht zu Bett gehen, am Morgen eine Runde schwimmen und erst am Nachmittag unter den Lebenden weilen, wo wir gemeinsam Beeren in Weißwein simmern lassen und Dinge auf den Grill werfen.
Ach, ach.

Der einzige Trost ist das erfolgreiche stemmen gegen die Hektik. Noch bis Ende nächster Woche ist Schienenersatzverkehr und ich habe es bis auf wenige Aussetzer fast immer mit normalem Blutdruck nach Hause geschafft. Ich kann ja auch spät abends noch auf dem Balkon sitzen, Bier trinken, sinnieren.

Am Mittwochmorgen, nach einem auf allen Ebenen reinigenden Gewitter, ist im Büro der Strom weg und so eine komplett digitale Abteilung ohne Strom ist genau die Sorte Monty Python Sketch, die Sie sich jetzt vorstellen. Wir standen kurz vor Stadt Land Fluss, als es auf den Bildschirmen PLING machte und wir dann doch mal loslegen konnten.
Erst während des Nachmittags fällt mir ein, dass es der letzte Tag meiner Probezeit ist. Die 6 Monate sind geradezu dahin gerauscht, auf eine gute Art. Wie schnell man in so ein Gefüge, ein unternehmerisches Ökosystem reinwächst ist immer wieder erstaunlich. Grade wenn man sich wie ich eher schwer mit neuen Umgebungen und neuen Menschen und neuen Abläufen tut. Wobei man grade auch nach 6 Monaten merkt wo man fachlich jederzeit weiterkommt und wo es eben langsamer geht, weil die Chemie vielleicht nicht ideal ist. Ach ja.
Jetzt bloß nicht sentimental werden.
Nach vorne schauen.

Via Social Media erreichen mich die ersten Einschläge zum Thema #noktoberfest und – bin das ich oder geht das immer früher los?

Beim Anblick einer Kollegin in schulterfreiem Strandkleid und Flip-Flops wieder mal fragen, ob ich zu spießig bin oder manchmal ein Konsens zum Thema Mindestangezogenheit im professionellen Bereich ganz gut wäre. Vielleicht ist es auch die Mode. Später laufe ich hinter einer jungen Frau her, die eine Art asymmetrische Carmen-Bluse trägt. Eine Schulter und ein Arm komplett entblößt, die andere Seite steckt in einem dreiviertel Ärmel. Sowas wirft bei mir irgendwie Fragen auf.

Apropos Fragen. Im Laufe der Woche gleich mehrfach gefragt worden, wie ich Dinge meine. Meistens wird mir Sarkasmus oder Kritik unterstellt, wo keine ist. Wie löst man sowas? Muss ich anders intonieren, betonen, formulieren? Ich versuche doch wirklich nur freundlich zu sein., zugänglich. How to win friends and influence co-workers.
Währenddessen eskaliert der Problemfall aus der letzten Woche auf passiv-aggressive Weise vor sich hin. Entweder werde ich für inkompetent gehalten, nicht gemocht, oder jemand versucht seinen Verantwortungsbereich so auszudehnen. Als wäre nicht genug Arbeit für alle da. Also bitte.
Derlei kratzt auch immer sofort an meinem Ego. Was hab ich jetzt schon wieder falsch gemacht? Wenn dann noch an anderer Stelle der Ton plötzlich kühl wird, auch wenn ich weiß, dass ich daran weniger Schuld bin als aktueller Stress, hadert das ungeliebte Seelchen mal wieder sehr und tritt den Rückzug an. Sich bloß niemandem zumuten.

Am Freitag begann das hiesige Frühlingsfest und in Sachen Trachtenfasching sowie bereits volltrunken anreisende, auswärtige Jugend, bin ich dann schon mal bedient. Jessas. Dieses Balzverhalten. Die Blusenlosigkeit. Die Gesprächsfetzen. Ich würde für kein Geld der Welt nochmal 16 sein wollen.

Samstag hitzebedingt alle Erledigungen schon so früh wie möglich abgehakt, den Rest des Tages mit Erdbeeren und dem Feilen an einer Schnapsidee verbracht. Darüber sogar Duolingo vergessen und meinen kurz-vor-500-Tage-Streak gebrochen. Tjanun, dann halt nochmal. (Dabei gelernt, für 10,99 (!) lässt einen die App den Streak zurückkaufen. Bisschen krank, diese App-Ökonomie.)
Champions League Finale doof. Fußball doof. Alles doof. wenn einen das Lieblings-Eskapismus-Thema so enttäuscht und einfach die Storytelling-Regeln ignoriert, fühlt man sich immer so ein bisschen persönlich gemeint. Uns wurden Helden versprochen, keine Lackaffen. (Sorry, Toni.)

Sonntag gegen den Wetterumschwung angebacken. Die Cranberry-Keks sind zu bröselig, die Banana-Chocolate-Chip-Cookies zu saftig geworden. Das passt momentan sehr gut zu meinem Leben.
Die Konsistenz schwankt, ohne, dass man so recht weiß warum.

Allgemein

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