Was gut war: KW 25, 2017

It’s getting hot in here, so take off… ach, lassen wir das.

Als ich nach dem langen Wochenende Montag ins Büro komme, brüllt mich meine Inbox förmlich mit UNERLEDINGT, DRINGEND, SOFORT an und ein Großteil des Arbeitstages fliegt an mir vorbei. Nebenher stelle ich staunend aber glücklich fest, dass große Teile meiner Twitter-Timeline mein Umarmungs-Dilemma nachvollziehen können. Sehr schön auch der Austausch zu grundsätzlichen „Erwachsenen-Fähigkeiten“ bei denen man wohl in der Schule gefehlt hat. (Hier: Flirten, Diplomatie, mitbekommen wann man möglichst unauffällig den Raum verlassen sollte und Niesen bzw. Lachen in damenhafter Lautstärke.)
Bloggen ist super, warum hab ich das eine Weile so selten gemacht?

Seit ich den 500-Tage-Streak bei Duolingo verloren habe, will das Ding immer, dass ich meine Übungen in 60-Sekunden-Intervallen mache. Hochgradig doof. Ich lass mich doch beim Lernen nicht hetzen!

Abends auf dem Balkon sitzend die restlichen Kirschen vom Markt verputzt und nebenher einen Text gekürzt, der präsentiert werden soll. Mitreißend aber voller Infos, ächz, ja klar. In diesen Momenten bin ich dann doch froh, dass ich das mit dem Texten nicht mehr hauptberuflich mache. So kann ich mich obsessiv um kleine Projekte kümmern und fange nicht an, die Schreiberei generell nervig zu finden. (Ah, deswegen ist Bloggen jetzt wieder super.)

Nach 3 Tagen Hitze kommen dafür die alten Dämonen wieder. Der Anblick von knapp bekleideten Geschlechtsgenossinnen macht neidisch und todtraurig, während bei einem selbst die klebenden Klamotten jedes Röllchen betonen. Man fühlt sich dann doch wieder wie ein gestrandeter Wal und würde, wenn schon nicht abnehmen, dann den eigenen Körper wenigstens einmal von oben bis unten durchstraffen. (Das ist so ein persönliches Ästhetik-Ding. Ich mag gleichmäßig verteilte Massen lieber. Gaga, ich weiß.) Zwar hab ich es mittlerweile geschafft mir nicht mehr jeden Seitenblick als herabwürdigende Kränkung einzubilden und habe kein Problem damit in der Öffentlichkeit Eis zu essen, (Es ist Eis!) aber, das durch die Hitze veränderte eigene Körpergefühl ist kein gutes. (Mind you, ich jammere über anderhalb Speckrollen Oberkörper und meine Flügelarme, mit meinen Stampfern hab ich mich längst abgefunden und ich weiß, dass Frauen mit Bauch oder viel Vorbau noch ganz anders leiden können. ) Ich trage ja trotzdem Flatterröcke die nicht bis zum Boden gehen (das, was hier so leuchtet, sind meine Waden.) und offene Schuhe. (Let me show you my scars!)
Es hat auch ganz generell mal wieder mit dem Wunsch zu tun weniger Platz einzunehmen, unauffälliger zu sein. Das sind Phasen, ich weiß. Aber es hindert mich halt daran bei diesem generellen Sommer-Abfeiern zu partizipieren, überhaupt zu partizipieren. Fuck this. My Balkon is my Festung.

Aber auch der klare Lerneffekt: Vor einigen Jahren noch hätte mich so eine Phase dazu gebracht erstmal nicht normal weiter zu essen, sondern einfach alles außer Obst und Gemüse mit Wasser zu ersetzen, woraufhin diverse Blutwerte in den Keller rauschen, mein Kreislauf nicht mehr mitspielt und ich den Sommer erst recht hasse. Jetzt: Erstmal Eis essen. (Vor allem, wenn es der Arbeitgeber eh grade gratis verteilen lässt.)

Am Mittwoch schlägt dann bezüglich des am darauffolgenden Tages stattfindenden Betriebssommerfests eine Mail auf, in der steht, dass es zwar keinen Dresscode gibt, man aber gern in Trachtenmontur….*kurze Pause wegen hysterischem Lachanfall*
Entschuldigung, aber Sie wissen wie ich da bin. (Nein, keine Fotos, das wären ja Interna. Herrje.)
Tatsächlich werde ich Donnerstagmorgen mit einer übersichtlichen und gesitteten Anzahl von Lederhosen und Dirndl konfrontiert. Es war ja dann doch sehr, sehr heiß. Ich griff in resignierender Verzweiflung zum knappesten Sommerkleid in meinem Besitz, dessen Saum rund ums Knie endet. Auch schon egal. Beide Knie voller Narben, der Beginn meiner, ähm, Thunderthighs sagt das Internet, sollen sie doch was sagen. Oder gucken. MIR SOWOS VO WURSCHT.

Es stellt sich außerdem raus, dass mein Büroplatz mit direktem Blick auf das Volksfest-Gelände meine schlimmsten Hobbies fördert: Leute gucken und Kommentare abgeben. Wie Kollegen bzw. Eltern von Hochenergie-Flummis auf zwei Beinen zum möglichst furchtbarsten Fahrgeschäft gezerrt werden, ist auf böse Weise unterhaltsam. (Der erste Teil der Firmenfeier war für die Familien gedacht und meine Güte, ist das hier ein fruchtbarer Haufen.)

Am späten Nachmittag sind dann auch diejenigen von uns ohne Anhang rüber und hatten einen sehr unterhaltsamen Abend, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Mein zweites Radler bestellte ich dreimal bei unterschiedlichen Kellnern, um schließlich selbst ins Zelt zu marschieren und gegen meine Dehydrierung zu kämpfen. Die schlechteste Geisterbahn der Welt war sehr lustig, Unterföhring von oben wird auch nicht wirklich besser und, ein Tipp, unterschätzen Sie niemals die Kreativ-Abteilungen. Wenn man Grafikerinnen Waffen in die Hand gibt, können sie einen verblüffen.
Mit heißen Füßen und jede Menge gebrannter Mandeln nach Hause gekommen, dank Tropennacht kaum geschlafen und mit letzter Kraft Freitag ins Büro geschleppt.

Kaffee. So viel Kaffee.

Freitag: Hauptsächlich ruhiges Wegarbeiten von Zeug, um mal spezifisch zu werden. Ich war nicht verkatert, aber schlicht erschöpft von ein paar Stunden Aufenthalt im Freien, mit ein bisschen Alkohol und Gedöns. Schlimm. Muss da dringend ein bisschen Training investieren, um die Kondition zu verbessern.
Ich dachte aber auch, dass Kohlehydrate eine total gute Idee wären und verteilte die Spaghetti Bolognese als dezentes Muster auf meinem hellem Oberteil. Gottseidank hatte ich mir als Brain-Food noch ein paar von den gebrannten Nüssen mit ins Büro genommen.

Weil mich mein Fuß abends daran erinnerte warum Hitze, Wassereinlagerung und Narbengewebe keinen Spaß macht, schlief ich erst ein, als die Schmerzen irgendwann in den frühen Morgenstunden aufgehört hatten. Darum auch kein Nationenfest für mich (*schnüff* sich durch die Küchen diverser Länder essen, während es Musik dazu gibt, ist die Definition dessen was meine kleine Stadt am Inn gut kann.)

Stattdessen Limoncello-Tiramisu für’s Seelchen. (Statt Kaffee und Amaretto Limoncello und Orangensaft, außerdem eine Mischung aus Mascarpone und griechischer Joghurt oben drauf. Man belege mit ein paar Zitrusfrüchten oder Erdbeeren. You’re welcome.)
Der u21 beim Spielen zugeguckt, die man ja bald von der Nationalmannschaft eh nicht mehr unterscheiden kann. Alle irgendwie jung und flink und niedlich. (Ab wann wird das Creepy wenn man Kerls, die 10 Jahre jünger sind als man selbst niedlich nennt?)
Sonntagvormittag Regen sei Dank alles aufgerissen und mich zum Frühstücken in den Durchzug gesetzt. Was insofern ein Fehler war, als dass ich den Fernseher angemacht habe und den SPD-Parteitag verfolgte. Aber… ach, lesen Sie auf eigene Gefahr.

Sonntagabend mit Lektüre (Hamilton – the Revolution. Dieses verdammte Musical lässt mich nicht los. Weil es halt auch ums Schreiben geht, irgendwie.) auf den Balkon gesetzt und kaum gemerkt, wann es geregnet hat und wann nicht. Dazu Gin Tonic getrunken und gedacht, so sollte es immer sein.

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