Hätte vermutlich 12 Stunden schlafen können, wurde aber nachts durch eine Autoalarmanlage aus einem angenehmen Traum gerissen und in den frühen Morgenstunden durch meinen blöden Uterus geweckt. Der folgende Montag war dann auch durch erhöhte Grantigkeit geprägt, die nicht davon besser wurde, dass auch um mich herum niemand mitdachte. *poliert Axt*
Der mittagliche Kaiserschmarrn in der Kantine besänftigte die nervenden Hormone nur kurz, während die teilweise hilflos dämlichen Inhalte meiner Inbox an den Geduldsfäden zogen.
Montagabend sitze ich eskapierend (das ist aber jetzt ein Wort, basta!) erneut mit Hamilton auf dem Balkon und träume davon etwas anzuzetteln.

Oh, am I talkin’ too loud?
Sometimes I get over excited, shoot off at the mouth
I never had a group of friends before
I promise that I’ll make y’all proud

(Hamilton; My Shot)

Dienstag schlägt dann eine Mail auf, die mir zumindest die Chance gibt das mal zu trainieren. Nur schlimm, dass da auch immer andere Menschen involviert sind. Da wird’s dann kritisch. Egal, erstmal machen. Andere sind auch grundlos selbstbewusst.
Langsam nehmen auch diese Dinge vor Publikum überhand. Bella, das Show-Pony. Ich möchte sagen damit war nicht zu rechnen, allerdings fallen mir dann quasi alle Lehrer seit der Grundschule ein, die mir prophezeiten, dass ich mich mal durch mein furchtloses Mundwerk hervortun würde. Fakt ist, im Juli spreche ich mehrfach beruflich und einmal eher quatschmäßig vor Leuten die mir zuhören. Ich bereite mich durchaus intensiv darauf vor und hege darum wohl auch einen gewissen Ehrgeiz dahingehend, aber warum ich das tue, ist mir schlicht nicht klar. Ich könnte doch wirklich auch mal die anderen machen lassen. Nicht zuletzt gab es eine Zeit in meinem Leben, in dem viele Leute einigen Aufwand betrieben haben, um mir klar zu machen, dass mir niemand freiwillig seine Aufmerksamkeit schenken würde. Vielleicht ist es mein Trotz, der mich dann in diese Situationen treibt, in denen man mir quasi ausgeliefert ist.

Jetzt habe ich diesen Job, in dem ich zum ersten Mal selbst (zumindest bis zu einem gewissen Grad) mitbestimmen kann wie viel mir aufgehalst wird und ich gehe los und suche mir Extra-Dinge. Woher kommt diese, dings, na, Sie wissen schon, Motivation? Gibt sich das mit dem Alter? Weil, selbst ich habe verstanden, dass es Blödsinn ist, sich so sehr über den Job zu definieren und womöglich andere, wichtigere Dinge zur Seite fallen zu lassen.
Aber am Ende ist er halt da, dieser Antrieb. Der Mensch ist schon seltsam. (Hier denken Sie sich jetzt bitte mein Essay zu Hamilton, dem Motiv des Protagonisten etwas schaffen zu wollen und meiner momentanen Ungeduld.)

Mittwoch gegen das aktuell quasi dauerhafte Lampenfieber dann abends ein zweites Glas Wein getrunken und, äh, fest geschlafen.

Der Donnerstag ging größtenteils für einen Workshop drauf. Wobei man ja gerne etwas Workshop nennt, das eigentlich ein Vortrag ist. Klingt dynamischer, macht genauso platt. So ein Tag an dem man sich von der Leberkässemmel-Pause zur Eis-Pause zum Feierabend-Bier schleppt und der Blutzucker trotzdem eher in niederen Bereichen verharrt. Am Ende ist es natürlich ausgerechnet der Juli, mit seiner schweren Hitze und den Dingen, die man unternehmen will, der beruflich plötzlich mit großen, spannenden Optionen daher kommt. Klar.
Abends sitze ich auf dem Balkon, gucke dem Mond beim Aufgehen zu und werde das Gefühl nicht los, dass um das nächste Eck eine sehr spannende Zeit wartet.

Als ich mich Freitags im Büro als erstes zum Kaffee schleppe, macht die Team-Assistentin grade ihr Frühstück und erwähnt, apropos gar nix, meine Präsentation beim Quartalsmeeting von vor drei Monaten und wie gut die war. Während ich später an der Power Point für das nächste dieser Meetings sitze, denke ich dann doch mal darüber nach, ob mir das alles etwas sagen soll. Gottseidank habe ich gar nicht so viel Zeit darüber nachzudenken.
Weil das Unwetter genau während meiner Heimfahrt danieder prasselte, kam ich bei dampfigem Dschungel-Wetter Zuhause an und bog erstmal in Richtung Eisdiele ab. Zu Gin Tonic plante ich dann die restlichen Monats-Highlights durch und hatte immer ein Auge auf dem Hashtag für den G20 Gipfel in Hamburg.

Auch am Samstag auf dem Markt, wo ich dem Charme von 8 Sorten Tomaten erlag, redete man hauptsächlich über Hamburg. So Links-Grün-Engagiert mein Dorf sonst ist, hier verstand man die Welt nicht mehr. Das war doch alles ganz einfach. Polizei rückt rechtzeitig an, setzt diese garantiert in der Datenbank bereits geführten schwarzen Block-Menschen frühzeitig fest und der Rest kann friedlich protestieren. Geht doch hier auch, wir machen Sicherheitskonferenz, Oktoberfest und im Zweifel G7 einfach in unwägbarem Alpengelände.
Natürlich wurden auch drakonische Strafen für Autoanzünder und Plünderer gefordert und hier und da gerieten die Demonstranten generell unter Verdacht, aber das war eher ein seltenes Argument. Tendenziell wunderte man sich über die Strategie und der Begriff SPD-Innensenator wurde eigentlich nur mit nachdrücklichem Unterton ausgesprochen. (Sie wissen schon. So wie man in Bayern halt über die SPD redet.) Selbst die CSU-Hasser, grade unter den jungen Marktbesuchern, wussten, dass die bayerische Polizei das besser hinbekommen hätte. (Ja, wir nutzen tatsächlich jede noch so kleine Verfehlung anderer Bundesländer, um das bajuwarische Selbstbewusstsein nochmal zu verstärken. Was auch sonst.)
Der bayerische Innenminister Herrmann mag zwar sowohl in Sachen Kompetenz als auch insbesondere öffentliche Äußerungen von geradezu schmerzhafter Ignoranz sein – aber irgendwo in der Kette zwischen ihm und dem durchschnittlichen Polizeibeamten, weiß jemand, wie man den bayerischen Platz in der Kriminalstatistik politisch nutzt.

Ich versuchte mich am Wochenende eher weniger Nachrichten auszusetzen, schnibbelte glücklich Tomatensalat und machte mir über andere Dinge Gedanken. (Hauptsächlich in meiner Rolle als Show-Pony).
Am Sonntag dann Heimatbesuch, bei dem die elterliche Plattensammlung im vermutlich vorletzten Durchgang auseinandersortiert wurde. (Äh, Thread?)

Sonntagabend nicht mehr gewusst wohin mit den Gedanken, der To-Do Liste und den Zukunftsszenarien. The West Wing Season 1 Episode 1 gestartet. Als wüsste ich es nicht besser.

Allgemein

Ein Gedanke zu „Was gut war: KW 27, 2017

  1. Am Dienstag mit T und N mal wieder West Wing statt Better Call Saul geguckt, weil Internet-Ausfall. Geseufzt, gelacht und ein wenig geweint, weil, so einen wie Bartlet, den könnte dieser Planet gut vertragen. Ach, Weltschmerz.

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