Immer noch restliche Nebelschwaden im Kopf. Ernsthafte Gedanken den Urlaub vorzuziehen. Die Batterien sind leer.
Montag bis Donnerstag verwandeln sich in eine zähe, karamelartige Masse, in deren Ummantelung ich mich durch Aufgaben und Termine kämpfe. Nicht, dass der Job nicht grade in solchen hektischen Phasen auch viel Spaß machen könnte – das tut er. Aber wenn ausgerechnet Monat 9 ohne Urlaub mit großen Aufgaben ums Eck kommt, wird’s halt kritisch.
Außerdem ist die geistige Müdigkeit bei 35 Grad ansteckend und sorgt dafür, dass ich sehr viel nachfragen und korrigieren muss. Ich meine SEHR viel.
Dass die deutsche Bahn und der FC Bayern eine ähnlich dynamisch-erfolgreiche Woche hatten, war natürlich ausgesprochen hilfreich.

Ich merke dann, wie ich genau in diesen Tagen anfange, Dinge auf die Goldwaage zu legen. Kommentare, Antworten, die Dosierung von Enthusiasmus und Distanz mir gegenüber. Da werden dann Gesprächsfetzen, Twitter-DMs und nicht beantwortete Anfragen zum inneren Balanceakt. Klar, wenige Tage nachdem ich überdurchschnittlich viel Zuspruch erfahren habe, nach Erfolgserlebnissen und der Bestätigung so manchen…Talents (?) sehe ich mich misstrauisch nach dem großen ABER um. Es muss ja hier irgendwo lauern. So einfach läuft es für mich nicht. Nie.
Also spielt mein Kopf die „sollte sich schon längst bei dir gemeldet haben“ – Playlist ab, geht versprochene aber nicht passierte Getränke durch, lässt mich aufs Smartphone linsen, ob sich Person X nicht doch daran erinnert, dass ich seit Ostern einen gemeinsamen Abend vorgeschlagen habe und man sich melden wollte. Ganz bestimmt.

Herrgottnochmal Bella. Other people are busy. Die haben Leben. Mit anderen Menschen drin – und zwar schon genug. Da wirst du nicht gebraucht. Genau darum versuchen wir doch immer nicht aufdringlich zu sein, capiche?
Auf mich hat noch nie jemand gewartet. Dafür suche ich selbst zu oft die Distanz.
Natürlich ist mir schon lange klar, dass der etwas holprige Weg auf dem ich unterwegs bin grade mal breit genug für eine Person ist. Ich meine manchmal, für so eine Teilstrecke oder bei bestimmten Gelegenheiten….

Merken Sie was? Selbstzweifel-Woman ist back in town und sie hat Großes vor. Super Timing.
Hoffentlich ist es die Müdigkeit. Vielleicht sollte ich doch irgendwie ein paar Tage abseits von Allem organisieren. Der September, den ich in Florenz ausklingen lassen wollte, klingt immer unwahrscheinlicher und langsam werde ich darob etwas mürrisch. (Nicht, dass ich mich nicht schnitzelmäßigst auf den Sandkasten freue, um das mit den sprachlichen Bildern mal überzustrapazieren.)

Gibt es ein gutes deutsches Wort für emotional Whiplash? Diesen schnellen, dramatischen Wechsel zwischen Emotionen? Nach #tkschland und Sandkasten-Zusage (ich berichtete), war das Loch wohl vorprogrammiert. Aber, dass es gleich so tief sein muss. Es ist sogar etwas mehr. Als ob etwas fehlen würde. Als sollte es eine Instanz geben, die sagt, ja passt alles. Richtige Entscheidung. Was Blödsinn ist, weil sich genug Menschen um mich herum mit mir über Dinge freuen, für mich freuen. Ich bin auch niemand, der irgendwelchen Leute etwas beweisen muss. Nicht mehr.
Gottseidank (vielleicht sollte ich den involvieren?) fehlen mir aktuell die Kapazitäten, um das in letzter Konsequenz zu analysieren.
Manchmal ist es einfach ein bisschen viel, ich zu sein. Es wäre schön, wenn ich da was outsourcen könnte. Oder mich wenigstens anlehnen, ohne erklären zu müssen. Erwachsen sein ist manchmal sehr anstrengend. Darum sind wir alle so verspannt. All die Dinge auf unseren Schultern. Egal wie groß, irgendwann ist schwer nur noch schwer.

Wie sang Chester noch?

I don’t want to be the one
The battles always choose
‚Cause inside I realize
That I’m the one confused

I don’t know what’s worth fighting for
Or why I have to scream
I don’t know why I instigate
And say what I don’t mean

(Linkin Park / Breaking the habit)

Freitag dann nach einer Woche in der man wirklich weiß was man getan hat (und in der der MVV wirklich an jedem Tag ein kleines Zuckerl für mich bereit hielt), früh aus dem Büro. Hauptsächlich damit ich noch ohne Gedöns nach Hause komme, denn am Abend startete der berüchtigte Nachtflohmarkt quasi kurz vor meiner Haustür. Ich schaffte noch ein wenig Grundlage und stürzte mich mit der Dämmerung in meine erste Runde. Gleich mal Freundschaft mit den beiden Herren mit den Vinyl-Ständen geschlossen und einen hinreißenden antiken Tischspiegel erworben.
Das Ramosgroupie sollte mich eigentlich begleiten, strich aber ob der Müdigkeit durch die erste Woche im neuen Job schnell die Segel. Was nur dazu führte, dass ich mich noch länger mit den Herren an den Vinyl-Ständen unterhielt. Wie er einmal Otis Redding live gesehen hat, unwissend wer da genau singt. Jetzt soll Otis auch auf seiner Beerdigung erklingen. Oder vom Trip zur Kirche in der Al Green mittlerweile als Pastor arbeitet bzw. singt und wie schließlich die Tränen flossen, weil es halt Al Green ist.
Mit innerem Seufzen rettete ich auch noch zwei Whitney-Platten vor der Unbedeutsamkeit und schleppte mich mit einem Schlenker an der Eisdiele vorbei (die vermutlich an dem Abend den Umsatz des Wochenendes verdoppelte) nach Hause. Auf dem Balkon hörte ich Otis und versuchte die trockene Kehle mit Gin Tonic zu befrieden.
Guter Abend.
Am Samstag folgte ich einer Einladung zum Käsesahneessen und gemeinsamen Supercup-schauen, was so irrsinnig war, wie es klang. Ich brachte im Gegenzug eine erneute Tomaten-Auswahl vom Markt mit. Meine Güte, Fußball. Ich hätte mir so viele interessante Hobbies zulegen können. Aber nein, Fußball.
Sonntag dann beim Ramosgroupie. Vorher machte ich auf ihren Wunsch Rohrnudeln (auf die sie seit Mitte der Woche einen Yieper hattte. Und sie ist nicht das Team Mehlspeisen in der Familie.) Als Hefeteig-Depp suchte ich mir ein klassisches Rezept, hervorragende Zwetschgen hatte ich schon besorgt.
Es gab Lasagne, die Reste der Käsesahne fanden auch ihren Weg an den Tisch und dann Rohrnudeln und dann Schnaps für Bella.
Sie erzählte unterhaltsam wie immer vom neuen Job in einer großen Sozialen Einrichtung. Vom ersten Trip mit den Bewohnern zu einem Konzert der Oberkrainer (?) und warum sie jetzt ein Selfie mit der Band hat. Es passt, vor allem der Spaß.

Wenn es Leute gibt, die ihren Job mit diesem Enthusiasmus, Einsatz und Humor machen können sollten, dann die Heere an Pädagogen, Erziehern und pflegerischem Fachpersonal. Von denen es mehr gibt als Leute in der Autoindustrie. Nur mal so.

Sehr, sehr früh zu Bett gegangen. Möge sich der Nebel lichten.

Allgemein

4 Gedanken zu “Was gut war: KW 31, 2017

  1. „Manchmal ist es einfach ein bisschen viel, ich zu sein.“
    Ich verstehe nur allzu gut. Habe seit Jahrzehnten meinen Grabstein vor Augen mit der Aufschrit „Zu viel für mich“. (Abwechselnd mit „Sie hat durchgehalten“.)

    1. Ich musste tatsächlich beim Schreiben der Zeilen denken, dass das ein wenig kaltmamsellig klingt. Die Grabstein-Aufschrift hingegen ist famos! Es müsste eine Droge geben, mit der man sich generell selbst vergisst, aber ansonsten noch alles hin bekommt. Ich würde mich für Tests zur Verfügung stellen!

  2. Ich ärgere mich immer noch, das es mit mir und München nicht geklappt hat, denn es sind viel Sätze in diesem Beitrag, für die Du eine innige Umarmung verdient hast. Wir sind uns in manchen Dingen sehr ähnlich.

    1. Ja, ja, ja! Ich überlege ja schon, wie ich dieses Jahr noch nach Hamburg komme. So ein bisschen aufs Wasser gucken muss mal wieder sein. (Sagt die Frau, die am Fluss lebt.)

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