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KW 50 – Post hoc ergo propter hoc

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Eine der größten Schwierigkeiten im Leben, zumindest in meinem, erscheint mir, nicht zum eigenen dunklen Orakel von sich selbst erfüllenden Prophezeiungen zu werden. Wo es doch so nahe liegt.

Das Luftkissen, die euphorische Wolke auf der ich durch den Herbst geflogen bin, kam im Dezember unversehens durch eine Reihe von Hindernissen zu einem Stop. Das Projekt, oder besser der Rahmen dafür, wird beendet. Wurde beendet. Es ist… schwierig. Drei Monate Arbeit, aber eben nur die Hälfte der angedachten Zeit liegen hier vor mir und ich weiß so gar nicht wie es damit weitergeht. Wie immer, wenn Dinge sich ändern, ist meine erste Reaktion stoisch und pragmatisch, nur, um wenig später wie ein verwundetes Tier alle anzuknurren.

Damit einher natürlich ab Januar die Rückkehr in das Konzern-Korsett. Wie es sitzen wird, nach drei Monaten in Freiheit und Selbstbestimmung, aber ohne den Druck des Selbständigen Daseins, ich weiß es noch nicht. Ich weiß momentan ohnehin sehr wenig. Alles bröckelt. Als dann noch die Nachricht kommt, dass ein Kollege, einer ob doch durch etliche Abteilungen getrennter Anker, auch weiter zieht, spüre ich wie dünn ich meine Haut habe werden lassen. Bis dato war mir vielleicht nicht einmal ausreichend klar gewesen wie beruhigend es war, jemanden mit Verstand und Charakter in diesem Bienenstock zu kennen.
Verführen hab ich mich lassen, von den Dingen, die plötzlich funktionierten. Innen drin pocht ein Stimmchen, dass es genau so sein soll. Versuchen und Fallen, wieder Aufstehen und Fallen, die Fersen in den Boden stemmen und gegen den Wind gehen. Nach vorne mit dem Kinn, das Rückgrat durchgestreckt.

Aber so weit sind wir noch nicht. Alte Muster, alte Ängste tauchen an die Oberfläche. Vom immer falschen Timing, vom Zurückbleiben, von den nicht genutzten Chancen. Auch, weil zu dem Rahmen, der so plötzlich beendet wurde ein paar ganz außergewöhnliche, spannende Menschen gehörten. Exzentrisch und ein bisschen besessen, enthusiastisch aber nicht nur aus heißer Luft bestehend – wie einer dieser magischen Sommer, die andere als Teenager erleben. Mit der Clique, die man für immer behalten will. Nur noch ein bisschen mehr Zeit. Nur noch ein bisschen mehr strecken – ich hatte mich fast festgekrallt. Knapp daneben, wie immer.

Im Hintergrund wartet, bereits eine Weile, noch ein dunkler Abgrund. Ein schon so lang dauernder Abschied. Vor ein paar Wochen sah er plötzlich sehr nah aus, jetzt steht er wieder wartend in der Tür. Noch ein Weihnachten, noch ein Jahreswechsel, der Boarndlkramer sitzt im Eck und mischt die Karten. An manchen Tagen möchte man ihm das Konzept des overstaying your welcome erklären, an allen anderen schüttelt man den Kopf über diese Gedanken.

Wie wankelmütig das alles. Wie ich vor wenigen Wochen dachte, vor mir täte sich ein Horizont auf und ich hätte endlich genug Mumm in den Knochen, um die Felder in meinem Leben zu bestellen, die seit Ewigkeiten vor sich hin darben, karg und leer. Aber nein, erneuter Rückzug, Weltschmerz, allgemeines Anprangern.
Manchmal hab ich es sehr satt, wie viel Macht die Schattengestalt noch hat. Ich sollte das angehen, sollte meine Prioritäten klären. Aber wer hat dafür Zeit, wenn er demnächst wieder mit 9to5 und dann noch ein wenig Pendelwahnsinn die Zeit füllt?

Da war ein Moment 2017, ein teuflischer Wimpernschlag, der mich hat denken lassen, dass ich alles haben könnte. Von einem Job, der Teil des Alltags ist, nicht ein Alltag der um den Job herum organisiert werden muss. Von der verfolgten Leidenschaft und dem Austausch mit Menschen, denen es genauso geht. Von genug Platz für andere, wilde Pläne. Statt der Vervollständigung nun also ein erneuter Krater, ein rauchendes Überbleibsel. Wie so viele Vorhaben.
Vor 8 Wochen war es so klar, so leicht, dass mir bestimmte Meilensteine im Leben nicht passieren werden. Die mir auch nicht so wichtig sind, weil ich anders in Erinnerung bleiben will. Dass ich, um es vorsichtig zu sagen – schwer vermittelbar bin – irgendwie erträglich, wenn ich die Chance bekomme etwas aufzubauen. Ich will weder eine Kleinfamilie, noch eine Doppelhaushälfte oder ein Ferienhaus am Gardasee.

Da sind wir nun, einmal mehr. Zeternd zum Universum. Was das denn soll. Weil es alles nur Sinn ergibt, wenn irgendwo noch etwas großes wartet. Ein Leben mit engem Radius, dafür geteilt mit vielen, die man liebt – das ergibt Sinn. Oder ein größerer Radius, der stattdessen viele Schritte allein erfordert – das auch.

Aber auch – und noch ist das hier kein Jahresendeintrag – auch die vielen gelernten Dinge. Wie die enorme Kraft, die ich habe, wenn es gilt zu verfolgen, was ich wirklich will. Von der Einsicht, dass ich eingehe, wenn ich nicht spreche, schreibe. All diese Teile, die nun vor mir liegen. Zu wissen wie ich gern arbeiten würde, was ich wohl doch kann und, dass es okay ist ein bisschen Größenwahnsinnig zu sein.

You can have ambition, but not too much.

Ich bin hier. Bereit. Zäh. Aber des Ausprobierens so müde.

Christmas can’t come soon enough.

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