Was gut war: KW 38, 2017

Rumgesandelt. Lange Gespräche geführt, ausgiebig gekocht, Dinge in Ruhe getan.
Eine Schlafzimmer-Wand gestrichen, Sachen repariert. (Die Wand ist jetzt… nennen wir es mal Purpur.)
Über die Sache mit der Rechtfertigung für die Dirndl-Kritik nachgedacht und dagegen entschieden. Hat auch was mit Feminismus und diesem ewigen Zwang zum Begründen und Erklären zu tun.
Außerdem bin ich jetzt bei Buzzfeed und damit ohnehin legitimiert. So there’s that.

Sehr launig in den Geburtstag hinein gefeiert, den Tag selbst mit der Familie verbracht. Die nächstjährige Schnapszahl muss aber größer gefeiert werden, denke ich. Mal sehen, was sich findet. (Haha, Mitte September in München oder was? Haha.)
Ganz arg über viele Glückwünsche auf allen Kanälen gefreut, die sich mit jedem Jahr und jeder persönlichen Begegnung auch weniger beliebig anfühlen. Diese crazy internet people. Mit Alkohol und Büchern beschenkt worden, also perfekt.

Sonntag für die crazy Kollegen Rotweinkuchen und Gin Tonic Cake mit Cheescake-Topping gebacken und innerlich nochmal durchgestreckt. Vor mir liegen interessante Tage.

Die nächsten Einträge werden hier vermutlich wieder länger.

Was gut war. KW 36, 2017

Urlaubswoche. Der völlige Verlust des Zeitgefühls.
Um das voran zu treiben Montags auch komplett, wie wir sagen, rumgesandelt. Rumgelesen, rumgelegen, Listen geschrieben, Gedanken gemacht. Gelernt: Das bin ich nicht mehr gewohnt, dieses nix tun. Ich bin jetzt wohl in diesem Alter wo man nicht einfach nur frei haben kann. Ich mache also Termine, Räume Dinge auf und hole mit leisem in mich hinein Grinsen die Freude über das anstehende Abenteuer nach.

Nebenher muckt Twitter auf.
Also, es ist ja so: Vor einigen Jahren habe ich mal ein bisschen zu dem Dirndl-Thema rumgerantet.Einfach, weil es mir da grade ein bisschen mit dem Verkleidungs-Faktor des Ganzen gelangt hat. Gleichzeitig hatte ich damals schon die Hoffnung, dass wir Peak-Dirndl erlebten und die Sache abebben würde. Der Trend konnte ja nicht ewig anhalten und ich kann mich schließlich an Zeiten erinnern, da waren es nur wir Landeier die uncoolerweise in derlei unterwegs waren.

Ich hatte das mit der Dahoamisierung wohl unterschätzt. 6 Jahre später leben wir inmitten von Peak-Dirndl und ich befülle, fast schon aus Trotz, noktoberfest.tumblr.com .
Womit wir beim Aufmucken wären. Das Tolle am Internet ist, es gibt immer irgendwo einen Mann, der dir erklärt was du falsch machst. Dass man Leute doch anziehen lassen soll was sie wollen. Oder ich mich doch arg hineinsteigere. (Women be crazy, am I right?)
Meine Dankbarkeit ob soviel Weisheit kennt entsprechend keine Grenzen.
(Mal ganz davon abgesehen, dass ich die Einträge zum Thema auf Twitter brav mit #noktoberfest betitele und man sie ohne weiteres muten kann.)
Jetzt müsste ich an dieser Stelle zu zwei Punkten ausholen.
Punkt 1 ist der Fakt, dass ein Dirndl eben kein Trend-Piece sondern Teil einer Tradition ist. Dafür müsste ich ein bisschen zum Thema Tracht und Geschichte, auch zum Dirndl und Lederhose als Kleid der einfachen Leute referieren und schließlich wenn nicht kulturelle Aneignung dann zumindest kulturelle Respektlosigkeit anmahnen. Weil wer sonst dauernd Witze über Bayern macht und mit den Traditionen bzw. den konservativen Seiten dieser Gegend nichts zu tun haben will, sich aber dann in und außerhalb (WTF) von Bayern in unsere Gewänder wirft (oder Dinge die versuchen so ähnlich zu sein), verliert halt meinen Respekt. Aber das hier ist nicht der Platz um so auszuholen, das mache ich demnächst an dieser Stelle.
Punkt 2 ist, dass manche Menschen ja wirklich glauben die Online-bzw. Twitter-Bella wäre 1:1 wie das Carbon-Original. Demnach laufe ich andauernd angetrunken, eine Axt schwingend hinter Leuten in billigen Dirndln her und beleidige sie.
Oder man kann einsehen, dass Twitter, ob man es zugibt oder nicht, auch eine Bühne ist, auf der wir nach Wunsch und Fähigkeit Dinge von uns preisgeben, verschönern oder betonen. Man entwickelt quasi distinguishing features, also Differenzierungsmerkmale, anhand derer man sich als einer gewissen Gruppe zugehörig darstellt. Ich mag Wein und Schokolade, bösen Humor, den FC Bayern und inszenierte Lästereien gegenüber Leuten, die es aushalten können. (Wozu ich mich im Übrigen selbst zähle.)
Dadurch habe ich mich auch zu einer Anlaufstelle für genau diese Themen entwickelt. Ich muss die Auswüchse des Dahoamisierungs-Trends längst nicht mehr suchen, man bringt sie zu mir. Ich hatte die Oktoberfest-Sneaker-Edition von Adidas bis jetzt ungefähr 17 Mal in den Mentions, den Weißwurst-Oktoberfest-Curry King 5x und jeden Tag kommen hässliche Werbeplakate, Schaufenster oder Produkte dazu, die Follower bildlich festhalten und mir schicken.
It’s part of the game. (Und ein bisschen Theatralik ist tatsächlich Teil meiner Persönlichkeit. DRAMA, BABY!)
Aber klar, ich steigere mich rein.
Es ist nämlich etwas völlig anderes, wenn ein Mann in einem Thread 1/38 erklärt, warum es falsch ist, dass es in der traditionsreichen Bundesliga einen Verein gibt, der vom Hersteller eines Energy-Drinks gesponsert wird. Die Bundesliga gibt es immerhin seit fast 55 Jahren. Während man dieses bisschen Tracht…naja, jedenfalls, warum bin ich eigentlich so hysterisch?

Sie merken, selbst beim Anschneiden des Themas, wird es ziemlich ausufernd. Testen wir ein Neues.
Ah, ja! Mittwoch ging ich dafür einem meiner Lieblingshobbys nach – Baumärkte und Möbelhäuser!
Zu diesem Zweck machte ich mich auf den Weg in Richtung Rosenheim, wo grade noch geherbstfestet wurde und ich am Bahnhof angesichts der diversen optischen Verbrechen schon nach meinem Riechsalz greifen musste.
Aus dem Schlafzimmer-Pink muss endlich ein Pflaumenton werden, außerdem musste der passende Stoff für die Rückverkleidung des Raumtrenners her.
Wenn man mich im Baumarkt in dem Eck mit den Farbkarten allein lässt, ist das ähnlich wie mich in einem Buchladen allein zu lassen, nur komplizierter hinsichtlich einer Entscheidung.
Nach einem langen Tag kehrte ich trotzdem mit vollen Taschen nach Hause zurück und plante für die kommende Woche ein paar kleine Renovierungsarbeiten. Was eh passt, weil der Balkon schon eingerüstet ist – Fassadenarbeiten. (Die hiesige Altstadt gibt sich zwar gern italienisch, hält aber nichts vom südländisch charmanten Verfall. Irgendwo wird hier immer grade wieder etwas in Stand gesetzt.)

Den Shopping-Ausflug bezahlte ich Donnerstag mit einem sich völlig verweigernden Fuß, wodurch ich hauptsächlich im Bett lag und las. Zwischendurch schlugen fantastische Nachrichten und gute Angebote auf, es war fast ein bisschen gruselig. Ich muss wohl die Dirndl-Bluse und den Bayern-Schal aufbügeln. (Hier ganz viel Hach und so denken.)

Am Freitag besorgte ich frischen Fisch, Baguette und die großen italienischen Zitronen, um ein paar liebe Menschen zu bekochen. Das sind die Dinge für die halt wirklich nur im Urlaub Zeit ist, und die ich darum umso mehr genieße. Wäre meine Küche nicht winzigst, würde ich total gern einen kleinen Supper-Club gründen und einmal im Monat Leute hierher einladen und verköstigen. (Wenn jemand übriges Geld hat und mir zum Geburtstag ein altes Landhaus mit Garten schenken will: Jederzeit.)

Am Samstag endlich das Neu-Wieder-eröffnete hiesige Innkaufhaus besucht, das im Frühjahr zum Entsetzen des Dorfes geschlossen hatte. Klar, große allgemeine Sortimente vom Kochtopf übers Schulheft bis zum BH sind in Zeiten des Internets schwierig. Wie es das Schicksal wollte, kam kurz nach der Schließung die Tochter des ursprünglichen Gründers, der das Kaufhaus 1970 gegründet hatte, samt Familie aus New York zurück nach Wasserburg.
Ohne, dass sie danach gesucht hatte, wartete damit hier schon die nächste Aufgabe und seit Mitte der Woche ist die zentrale Anlaufstelle für allerlei im Dorf wieder da. Mit ein bisschen Hipster-Charme, reduziertem aber ausgesuchtem Sortiment und dem obersten Stockwerk, das ab sofort für Events wie Ausstellungen oder Musik zur Verfügung steht.
Ich mag, wie sich mein kleines Dorf gegen den Lauf der Zeit zur Wehr setzt.

Apropos mein kleines Dorf: Als ich Sonntag mit dem Ramosgroupie nach einem Abstecher auf dem Attler Herbstfest (die Stiftung Attl ist ein großer Träger für eine Vielzahl von sozialen Projekten mit einem eigenen Hof und dazugehörigem Laden.) mit gebrannten Mandeln und hervorragenden Auszongnen bei Mama und Papa Donnerhall vorbei schaute, guckten wir zum Kaffee die 45minütige Doku, die der bayerische Rundfunk über mein Dörfchen gemacht hatte. Mit den Künstlern und den Häusern, Arkaden und Katakomben, sowie den vielen Eigenheiten.

So nett so ein Werbefilm auch ist – NOCH mehr Leute sind momentan eigentlich nicht nötig. Schon gar nicht kommende Woche, wenn hier Wasserburg wieder leuchtet und ungefähr 10000 Menschen durch die mit Licht und Farben inszenierte Altstadt strömen.

Aber gut, Geburtstagstradition ist Geburtstagstradition. Ist schon sehr nett, dass das immer an meinem Wochenende statt findet.
Mal sehen, was die letzte Woche als 32er sonst noch bringt.

Was gut war: KW 35, 2017

Montag: Aufwachen, Krankmelden, nochmal Schlafen. Wieder Aufwachen, zum Arzt gehen, Infusion und Diagnose „Urlaubsreif“ bekommen, wieder hinlegen. Aufwachen, was Essen, nochmal kurz hinlegen. In die Badewanne legen, Stündchen TV gucken, zu Bett gehen. Apparently waren 16 Stunden Schlaf nötig.
Dienstag: Kurz vor 6 aber sowas von wach, absurd übermotiviert zu früh das Haus verlassen, im Büro völlig empört über den Computer der mit meinen 37 gleichzeitig auszuführenden Programmen nicht mithalten will. Faules Ding.
Noch immer keine 100%ige Klarheit zum Thema Sandkasten, aber wenn, dann scheitert es nicht am Engagement von Chef und Oberchefin. Und das ist eben auch neu, diese Art Vorgesetzte. (Der ganze Laden hat einen gewaltigen Knall, aber in meiner direkten Umgebung haben alle dieselben Störungen, dadurch arbeitet es sich ziemlich angenehm.)
Langsam sollte ich mich daran gewöhnt haben, dass Miss Langzeitplanung und mein berufliches Umfeld nicht zusammen passen. Stattdessen lag ich Mittwoch gegen kurz nach 4 Uhr morgens wach und konnte nicht mehr einschlafen – so sehr ich mich auch zwang nicht über Eventualitäten nachzudenken.
Soviel zu Tag 4 ohne Alkohol und Kaffee. Gleich mal ändern.
Sonst wäre ich chancenlos, so voll sind die vermeintlich letzten Tage in Unterföhring für 2017. (Eventuell. Vielleicht. Womöglich. Vermutlich. Sie wissen schon.)

Ich bin nicht spontan genug für meine eigene Umtriebigkeit. (Dinge, die mir 2017 endlich in den Schädel gehämmert haben sollte.)

Es ist ja dann auch eben keine wirkliche Zeit für Rituale, oder zumindest Etikette. Mit wem wollte man noch mal in Ruhe reden, etwas formulieren, für einen reibungslosen Übergang sorgen – wo man doch gar nicht rechtzeitig weiß, wann dieser Übergang sein wird? So präpariert man, ohne Recht in die Gänge zu kommen. Unverschuldet in die fehlende Abgangs-Souveränität geraten, nennt man das.
Wo ich doch dieses Mal alles besser machen wollte. Auch dieses Dings, Netzwerkgedöns.
Nicht, dass aus mir irgendwann einer dieser bemerkenswerten wie rätselhaften Menschen wird, die scheinbar mühelos von Gruppe zu Gruppe wandern, sich überall ein bisschen aber nicht zu aufdringlich ins Gespräch einhaken, einen guten als auch nachhaltigen Eindruck hinterlassen und weiterziehen. Ernsthaft. Ich habe diese Sorte beobachtet. Ein Teil von mir hält sie alle für Soziopathen, der Rest ist zutiefst beeindruckt ob der selbstsicheren Unaufdringlichkeit.
Ich wäge auch weiterhin jede persönliche Ansprache, Email und Einladung gegen quasi alle potentiell interessanteren Optionen meines Gegenübers ab. Um dann doch noch ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich wirklich einmal den Schritt tue. Fürchterlich.
Alles in allem genau das richtige Charakter-Profil um in einem Inkubator etwas voranzubringen. Herrje.

Man merkt, ich entwickelte mich im Laufe der Woche zu etwas, das meine Mutter ein „Nervwal“ nennt, ein etwas aufgeregter wenn nicht sogar nervöser Mensch. Schließlich war es Donnerstag und ich wusste immer noch nicht was in 14 Tagen sein würde. Ja natürlich wird man da nervös!
Ich meine, klar, auf gewisse Weise ist das so gar nichts Neues, dass bei mir Dinge wahlweise auf den letzten Drücker oder erst im nächsten Anlauf klappen, aber meine Güte. Man denkt ja irgendwann, man wäre jetzt von Profis umgeben und dann hätte man andere Planungshorizonte. Pah, von wegen.

Ich war so neben der Spur, ich weiß schon gar nicht mehr was sonst noch in diesen Tagen passiert ist. Es fällt mir einfach nicht ein. Das Wetter wurde schlecht. Der Freitag kam. Ich verbrachte den Vormittag des Freitags mit quasi dauerhaft gedrehtem Kopf – in Richtung des Büros aus dem gefälligst endlich eine Meldung kommen sollte. Die To-Do-Liste teilte sich im Laufe des Tages in „Urlaubsübergabe“ und „Große Übergabe“ wobei auf beiden diverse Fragezeichen standen.
Erneut die Erkenntnis: Ich kann Druck aushalten, Anforderungen und sogar kurzfristige Änderungen. Was ich nicht kann: Ungewissheit.

Wo war ich? Ah ja, Ungewissheit. FUCK UNGEWISSHEIT.
Freitag, 15:00 : Endlich können Korken knallen. ENDLICH ENDLICH ENDLCH. Mit klassischem Bad-News-Pokerface bekam ich mitgeteilt, dass alles gut wird und ich meine wilden Ideen ab Mitte September tatsächlich umsetzen darf.
Mittags hatte ich als Nervenbündel noch rumgeheult wie furchtbar das alles war, und dass es bei meinem Glück garantiert nicht hinhauen würde,während im Hintergrund Menschen wohl Dinge in Bewegung gesetzt haben. *gerührt schneuz*

Der Rest des Tages war geprägt von Aufräumen, Loslassen und vor sich hin freuen. Ich hatte das schon vergessen, wie sehr ich mich auf die Chance freue.
Abwesenheits-Nachricht eingestellt und ab in den Urlaub nach Hause getänzelt. FUCKING HELL.

Dieses fast schon überraschende Gefühl von Urlaub und Abenteuer sorgte Samstags nur für Bella im Faultier-Modus. Während es draußen regnete wurde Rotweinkuchen gebacken und aus Dekadenz-Gründen später Eierlikörsahne dazu geschlagen.
Während des Kuchenessens machte ich Online-Einkäufe und schrieb eine To-Do Liste für die nächsten 14 Tage. Sie beinhaltet viel zum Thema Aufräumen, Ordnen und Vorbereiten. Ich habe so das Gefühl, dass ich in den nächsten 3 Monaten nicht ganz so viel Zeit für derlei haben werde. Und ich freu mich drauf.

War Sonntag was? Ich hatte hauptsächlich Wein.