Hausherrin

Lassen Sie mich vorausschicken: Ich finde mich wahnsinnig langweilig. So im Kern.

Aber gut, Sie sind trotzdem hier. Nun, die Hausherrin heißt Isabella, geborene Hilger, gewurzelte Voglsinger und genannt Donnerhall. Wie es zu diesem Beinamen kam, weiß ich nicht mehr genau. Er wurde mir, glaube ich, gegeben. Ich weiß, dass ich ihn mag. Mehr als andere Nicknames aus anderen digitalen Lebensabschnitten. Mit meinem echten Vornamen kommt auch gerade genug Realität dazu.

Für den Donnerhall gibt es in vielen anderen Sprachen keine Entsprechung. Er ist auch nur eine Ankündigung, ein vorgeleitetes Echo. Menschen spitzen die Ohren und ergreifen Maßnahmen. Ich würde mich keineswegs als furchterregend bezeichnen, allerdings gibt es hier und da Menschen die mir einen gewissen Ruf zusprechen würden. Den einer lautstarken Feministin und eines leidenschaftlichen Fußballfans, eines schreibwütigen Nerds mit Schränken voller Neurosen. Mehr do-it-yourself-Madl als Glitzercupcake-Mädchen.

Ich lebe auf dem Land und rede ohne Ironie über dessen gute Seiten, während ich die wirbelnde Stadt betrachte. Überhaupt ist das Betrachten mein Metier, denn rennen, springen oder tanzen waren mir nie möglich. Das soll keine Mitleidheischerei sein, sondern eine kleine Erklärung. Wenn ich die Klappe aufreiße und Stellung beziehe, dann immer in dem Wissen, dass ich mich nicht schnell und ungesehen davon stehlen kann. Darum diskutiere ich auch mal bis mein Gegenüber nicht mehr kann. Ich gebe ihm dann aber gern ein Bier aus.

Popkultur in Form von Serien, Büchern, Musik, Vlogs und Memes sind eine Matrix an der ich mich orientieren kann. Weil meine sozialen Fähigkeiten sich in Grenzen halten, schließe ich Verbindungen zu anderen Menschen durch geteilte Referenzen und Insider-Jokes. Diese Welt nährt dabei meine Kreativität, lenkt mich ab und heilt manchmal Wunden.

Nicht, dass es Sie interessiert, aber mit Mehlspeisen, Rotwein und Thai-Curry bin ich gut glücklich zu machen. Mit Alleinsein und Stille. Mit Ruhe an einem fließenden Gewässer. Einem leeren Notizbuch und Zeit. Ich erfülle demnach mehr Klischees als mir lieb ist. An anderer Stelle werden Sie merken, dass Ironie und Sarkasmus für mich die Geschwister der Ehrlichkeit sind.