Being a woman is not a punchline, moron

Ja, wir hatten das Thema schonmal angeschnitten.

Auf Twitter versuchen viele Menschen witzig zu sein. Mit wechselndem Erfolg und schwankendem Niveau. Das ist okay, ist ja offline nicht anders. Sowohl On- als auch Offline denkt mancher ein Witz, dessen Pointe das Geschlecht ist, sei vollkommen in Ordnung. Und wer dies nicht versteht eine verhärmte, hysterische Feministin.

Yeah, right.

Bullshit.

Und weil ich die bald täglichen Diskussionen zu dem Thema auf Twitter langsam aber sicher satt habe, arbeite ich mich hier an einem praktischen Beispiel ab. Ich habe mit dem entsprechenden Menschen auch auf Twitter schon diskutiert, erntete aber nur Unverständnis. Warum ich mich so aufrege, wurde ich gefragt. Nun, dann eben in der Langfassung.

Beispiel 1: Frau sein ist Ansichtssache (von Männern?)

https://twitter.com/#!/voegi79/status/75566453247578112

Ich gebe zunächst mal zu Protokoll, wie ich einen solchen Spruch lese. Ein Land, dass vermutlich das Wort Frauenrechte erst noch ins Vokabular aufnehmen muss, verweigert der Maschine unserer Kanzlerin den Überflug. Scheinbar ironisch wird daraufhin davon gesprochen, dass man Mann diese Frau also Angela Merkel ja wohl kaum über sich haben will. Die Konotation ist dabei, wie bei vielen Witzen, eine sexuelle. Das allein ist jedoch nicht das Problem.
Mein Problem beginnt mit den Anführungszeichen. Ohne diese ist es ein dämlicher, aber leider gebräuchlicher Chauvi-Spruch dazu, dass Frauen natürlich1 unten liegen sollen. So weit, so dumm. Mit den Anführungszeichen wird der Schwerpunkt der Pointe aber auf das Frau-Sein von Angela Merkel gelegt.
Als normal denkender Mensch tauchen jetzt Fragezeichen auf. Schließlich ist sie eine Frau, was auch sonst. Dass die Optik unserer Regierungschefin seit Jahren das Ziel mehr oder weniger origineller Phrasen ist, ist bekannt. Und jetzt wird die Sache ein bisschen igitt.
Denn das eine ist das biologische Geschlecht. Das andere ist die Wahrnehmung darüber, wie feminin sie ist. Wie fraulich. Also die subjektive Bewertung von unbegründeten, aber leider gesellschaftlich akzeptieren Eigenschaften wie ihrem Aussehen, ihrem Verhalten, ihrer Berufswahl, ihrer Rhetorik, etc.
Genau diesen Punkt stellt der Verfasser des Tweets mit den Anführungszeichen ins Zentrum. Schließlich wird er kaum das biologische Geschlecht unsrer Kanzlerin anzweifeln. Aber ihre Femininität – etwas, dass man tatsächlich kaum definieren kann.

Diese gefühlte Fraulichkeit stellt für viele Männer einen direkten Indikator dar, für wie begehrenswert sie eine Frau halten. Und natürlich, Ohrfeigen und Geschmäcker sind verschieden. Nicht jeder Mann soll oder muss Angela Merkel begehrenswert finden.
Nur, der obige Tweet soll witzig sein. Für Humor braucht es innerhalb einer Gruppe einen gewissen Wertkonsens. Ich kann weder etwas überzeichnen, verzerren oder ins Gegenteil umkehren (ironisch sein), wenn es andere nicht genauso sehen. Hier werden drei Dinge vorausgesetzt.

  1. Es ist wichtig ob und wie feminin eine Frau ist. Sogar eine Kanzlerin. Als spiele es für die Bewertung dieses Menschen eine Rolle, wie sehr Frau sie ist.
  2. Darauf aufbauend wird vorausgesetzt, dass Angela Merkel als wenig feminin wahrgenommen wird. Also die breite Masse der Gesellschaft ihr nur geringe typisch weibliche Merkmale zuspricht.
  3. Daraus folgt für den Verfasser, dass die breite Masse (der Männer) Frau Merkel als nicht genug begehrenswert empfindet, nicht feminin genug um sie ohne Anführungszeichen als Frau zu bezeichnen.

Wer jetzt überfordert ist, hier die Pointe nochmal in Neandertal:

Angela Merkel ist nicht begehrenswert feminin genug –> Männer (verallgemeinert) würden sie nicht gern flachlegen bzw. sich von ihr flachlegen lassen (über sich haben) –> Damit ist sie eben „nur“ biologisch, aber nicht per männlicher Definition eine Frau –> Deswegen steht das in Anführungszeichen und darum ist das lustig, so.

Für, sagen wir mal, langsame Leser: Warum das jetzt problematisch ist?

Weil Frauen damit, selbst wenn sie es an die Spitze einer Regierung schaffen, nicht allein für ihre Fähigkeiten, ihren Charakter und ihre Erfolge geschätzt werden. Sondern dabei bitteschön immer noch weiblich sein sollen. Schön. Begehrenswert.
Setzen Sie, geneigter Leser, an die Stelle von Angela Merkel in dem Tweet doch mal Michelle Hunziker. Oder Megan Fox. Ist dann da überhaupt eine Pointe? Nein, natürlich nicht. Und dabei sind das Frauen, die ohne ihren Grad an vordefinierter Weiblichkeit womöglich entsprechend geringeren Erfolg hätte. Frauen also, deren Optik tatsächlich in ihrer professionellen Bewertung eine Rolle spielen kann. (nicht muss, da beide keine Models sondern Moderatorin bzw. Schauspielerin sind.)

Würde die Allgemeinheit Männer exakt genauso bewerten, wäre es zwar ein Zeichen gesellschaftlichen Irrsinns, aber kein feministisches Problem. Allein, die Allgemeinheit oder besser gesagt Frauen im Allgemeinen, haben keinen derartigen Konsens. (Das ist die Grundlage dafür, dass jemand wie Seth Rogen in Filmen unfassbar attraktive Frauen abstauben kann.) Frauen werten Männer nicht primär nach ihrer Maskulinität bzw. ihrem Aussehen. Natürlich, es gibt diese Frauen, das will ich nicht bestreiten. (Sie sind wohl die Grundlage für Sex and the City.) Aber der Konsens reicht nicht für Humor dieser Sorte.

Damit tragen diese Witze / Bemerkungen zur Diskriminierung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts, und sei es das Wahrgenommene, bei. Dabei habe ich die Diskussion zum Thema was tatsächlich „typisch“ weiblich oder männlich ist, noch gar nicht losgetreten. Und ob derlei überhaupt irgendeine Rolle außerhalb der eigenen Sexualität spielen sollte.

Als ich mich über diesen sowie einen weiteren Tweet, der in eine ähnliche Kerbe 2 schlägt ereifferte, stellte ich einmal mehr fest, wieviel Erklärungs- geradezu Bildungsarbeit man (Frau) immer noch leisten muss.

Schließlich kamen Voegi79 genug Geschlechtsgenossen zu Hilfe. Ich hätte nicht genügend bzw. gar keinen Humor. Müsste mich entspannen, das Ganze nicht so eng sehen.

Dabei sind das nicht die Kerle, die Feminismus für den Feind schlechthin halten, sondern Männer die sich der schwierigen Rolle der Frau in der Gesellschaft durchaus bewusst sind.
Aber auf ihre diffamierenden Witze verzichten, das wollen sie nicht.

Und das ist es, was mich so wütend macht. Das ist es, was mich leicht verzweifeln lässt, wenn ich daran denke wie jetzt schon über die anstehende Weltmeisterschaft im Frauenfußball gesprochen wird. Hihi, Mädchen die Fußball spielen, höhö. Schließlich ist es für einen Spieler eine der gröbsten Beleidigungen wenn er wie ein Mädchen spielt. (Mädchen übrigens, die nie ronaldoesk theatralisch liegen bleiben oder sich totti-like bei einem gestoßenen Knie an den Kopf greifen, nur mal so.)

Es sind nämlich nicht zuletzt auch diese ach so lustigen Bemerkungen, die dazu beitragen, dass Frauen versuchen, sich in ein gesellschaftlich definiertes Korsett von Schöhnheit zu pressen. Man will schließlich nicht eine von denen sein, über die Witze gemacht werden.

Damit verpulvert knapp die Hälfte der Menschheit vollkommen sinnlos Zeit, Kraft und Energie mit negativen Gedanken zum eigenen Körper, daraus resultierenden Zweifeln und Unsicherheit die sich eben nicht nur auf den Blick in den Spiegel niederschlägt, sondern auf alle Bereiche des Lebens. Wer weiß, was Frauen schon alles mehr (noch mehr!) geleistet hätten, könnten wir unsere Zeit anders nutzen, als beispielsweise über die Ausmaße unserer sekundären Geschlechtsmerkmale nachzudenken.

  1. Nach mehreren Kommentaren zu dieser Formulierung bei Twitter entschuldige ich mich bei den Herren der Schöpfung wegen der vereinfachten Aussage. Mir ging es darum eine gewollte Passivität darzustellen. Ich unterstelle nicht jedem Mann, er würde dies automatisch bevorzugen.
  2. Ja, ich weiß, Frau Schwarzer ist momentan ein beliebter Punching-Ball. Auch zurecht. Aber Jungs, versucht euch doch mehr einfallen zu lassen als ihre Attraktivität.

For a dreamer, night’s the only time of day.

(Blogtitel Zitat aus dem hinreißendsten Real-Action-Disney EVER, Newsies.)

Das Internet beeinflusst einen ja mittlerweile überall. Also mich zumindest. 

Irgendwann muss es dann auch in mein Unterbewußtsein vorgedrungen sein. Denn meine Träume spielen nicht in niedlichen Phantasiewelten oder wenigstens surrealen Beschreibungen, nein, die Meldungen kommen durch die Traumvisualisierung meiner Inbox. Oder einer Twitter-Reply. Oder einem Status-Update.

Morgens wacht man also auf und checkt panisch auf dem Smartphone, ob die geträumte Katastrophe wirklich eingetreten ist. Oder man im Halbschlaf womöglich auf die Nicht-Meldung geantwortet hat. (Die Chancen dafür stehen erfahrungsgemäß 50/50.)

Gestern Nacht beispielsweise. Eine Email mit dem Betreff „Suizid“. Den Absender habe ich nicht erkannt. Dass es in der Email selbst, um jemandem ging von dem ich seit einiger Zeit nichts mehr gehört hatte schien absolut passend. Auch, dass sie nur sehr kurz und ohne weitere Erklärung war. Im Traum hinterfragt man nicht. Nein, selbst im Traum zappt man zum nächsten Medienkanal, hier Twitter, wo das ganze bestätigt wird. Via DM!

An dieser Stelle schüttelt natürlich auch der geneigteste, zweinulligste aller Leser den Kopf. Vielleicht rät man mir im stillen zu einer digitalen Pause, zum Social-Network-Fasten, oder wie derlei heute heißt. Durchaus, der Gedanke kam mir schon. Aber! Halten Sie ein! 

Tatsächlich war ich immer schon eine Kommunikations-Träumerin. Wenn ich mich an einen Traum erinnere, dann weil mir ein Gespräch / Telefonat  oder ähnliches einfach zu „echt“ erschien. In meinen nächtlichen Gedankenbildern wurde nie geflogen oder gefallen, gerannt sowieso nicht. Ich hatte nicht mit Monstern (oder zählen Rechnungswesenlehrer?) oder Schurken zu tun. Mein Unterbewußtsein kann sich diese Ratio leisten, schließlich spinne ich den ganzen Tag vollkommen wach vor mich hin. Mit Monstern. Und Schurken. 

Wo ich früher zum Frühstück torkelte und meine Schwester fragte, warum sie mich gestern Nacht geweckt hat und über Werkzeug reden wollte, scrolle ich heute mit angehaltenem Atem durch die Inbox. 

Sollte es Ihnen also, liebster Leser, ähnlich gehen: machen Sie sich keine Sorgen. (Aber vielleicht wäre es eine gute Idee den ersten Tweet des Tages in Zukunft erst nach dem Kaffee abzusetzen.)

die Frau die man patsch nannte

Hi. Mein Name ist Isabella.

So haben meine Eltern mich zumindest getauft. Und alles in allem bin ich mit dem Namen auch ganz zufrieden. Die Sache wäre anders ausgegangen, wäre ich mit einem y-chromosom geboren worden, schließlich hatte sich mein Vater Zebulon in den Kopf gesetzt. Zebulon.

Als ich im Jahre 1997 das Internet entdeckte (damals schon mit ISDN!) hatte ich aber das dringende Bedürfnis jemand anders zu sein. Hey, ich war 12. Ich hörte Nirvana und fühlte mich unverstanden, also nannte ich mich DarkSoul. Ja, wirklich. Kreativer war ich nicht. Unter diesem Namen habe ich fast 5 Jahre das Netz bereist, mich in Foren angemeldet und verstörende Kurzgeschichten geschrieben. Ich habe unter diesem Alias Freundschaften geschlossen und Fehden geführt, alles online. Es war also schon ein größerer Entschluß, als ich dachte etwas Neues müsste her.

Es war ca. 2003, ich hatte meine erste Psychotherapie hinter mir und eine erste Domain zugelegt, irgendwas mit insanity. Nein, ich war noch nicht kreativer geworden. Es begann eine Phase des Suchens. Irgendwas mit Bella vielleicht? Belle? Das Internet war ja zwischenzeitlich dichter besiedelt geworden und so existieren aus dieser Zeit diverse Nicks. Allerdings wollte sich nichts davon so recht halten.
Außerdem begann die Zeit der Social Networks und spätestens im Studivz wurde sich aus praktischen Gründen erstmal mit dem richtigen Namen angemeldet. Xing, Facebook, etc. – überall war ich Isabella, was auch sonst?

idog

Nur diese Blogsache wollte sich nicht recht einfügen. Domain nr. 2 Mindless-cry.net (ich werde auch nicht mehr kreativer), Untertitel Gedankenkriegerin (Phase: I am a mad woman, hear me roar!) wollte auch nicht zünden. Dazu war ich langsam des englischen Müde. Um mich herum waren Menschen, die mit ihrer Muttersprache wirklich clevere Sachen veranstalteten, nur ich war immernoch 12.
Es brauchte eine klassische Schnapsidee, um aus dem Insiderwitz namens patschpatsch, eine Domain zu machen. Und mit diesem bedeutungslosen Klanggebilde als Online-Zuhause war ich erstmal glücklich.

Eine Weile lebt es sich ja ganz gut mit dieser Internetschizophrenie. Es gibt die Accounts mit vollem Namen, die passende Email und umgekehrt die Email mit der Domain und diverse Nicks von delicious, über Twitter zu last.fm.
Das Internet war lange die beste Gelegenheit eine special Snowflake zu sein. Grade immer auch im Gegensatz zum „realen“ Leben. Aber es ist 2009 und langsam müssen eben auch diejenigen die virtuell umtriebig sind, ihre Persönlichkeiten fusionieren.

Nur, wer bin ich den jetzt? Überhaupt – wait for it – bin ich vielleicht Mehrere? Wie viele kann ich sein? (bekommt Precht dafür Lizenzgebühren?) Noch habe ich einfach Skrupel im Internet mit meinem ganzen Klarnamen zu firmieren, andererseits, so ein Nick klingt ja oft auch doof.
Isabella, das hat ja sowas ganz leicht prätentiöses, find ich. Bella, puh, Bellas gibt es ja auch schon Einige. Isa, wie ich seltsamerweise gern gerufen werde, Isa ist es auch nicht.

Darum, geneigter Leser, steht hier über den Einträgen erstmal Isabella. Sollten wir uns mal treffen und sie über die Ansprache rätseln: ich reagiere auf alles was so ähnlich klingt. Wirklich.

P.S.: Ja, ich habe gerade eine virtuelle Identitätskrise und bin für Hilfen dankbar. Vielleicht bin ich nicht die Einzige die vor diesem Problem steht. Doch mal mit dem vollen Namen versuchen? Alternativen? Taufnamen?? Brauche ich eine Cooperate Identiy?!

P.P.S.:Sollte man sich die Domain mit dem eigenen Namen (also dem echten) sichern, wenn es sie noch gibt? Brauchts das??