Brasilianische Körperwelten und andere Missverständnisse – über Fußballer als Objekt der Begierde

“I don’t think there’s any such thing as male objectification,” Manganiello added with a shrug when asked about his own voyeur-inviting nudity. “I think that word exists only with women because there are societal pressures for them to behave a certain way and to look a certain way. Someone put it to me once: Women are sex objects and men are success objects. That was really interesting to me.” (Quelle)

Das obige Zitat von Schauspieler Joe Manganiello bringt die Sache mit dem angeblichen „Seximus“ hinter männlicher „Objektifizierung“ sehr schön auf den Punkt. Und der Mann sollte wissen wovon er redet. Er wird, das ist ihm auch klar, zum großen Teil wegen seines Äußeren engagiert. Zur Erinnerung, das hier ist Mr. Manganiello:

fireman

Das obige Bild ist aus dem Film „Magic Mike“ in dem er einen Stripper spielt. Ein Film, der sich auch mit Frauen beschäftigt, die Männer einfach nur begutachten und auch kein Interesse daran haben, intellektuelle Gespräche mit ihnen zu führen. Sie, wenn man so will, nur als hübsche trainierte Hülle wahrnehmen.

Apropos trainiert.

Die Fußball-WM steht ja quasi schon sexy posierend und mit Schlafzimmerblick im Türrahmen und beglückt uns bald mit definierten Waden, Oberkörpern und großem Siegerlächeln. Woraufhin sie wieder aus ihren Löchern kommen werden, die hämischen Zeigefinger, die Ätschibätschis unter den Feminismus-Augenrollern, die bei jedem Kommentar zum Äußeren eines Spielers dann ganz laut Sexismus schreien und sich aufmandln, weil wir – also Feministinnen – ja plötzlich mit zweierlei Maß messen.

Oida.

Schnauze.

Luis Figo. Zinedine Zidane. Früher war alles besser.
Luis Figo. Zinedine Zidane. Früher war alles besser.

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Meine Fernbeziehung zum Netzfeminismus

das hier legt mir schon eine Weile auf der Seele und ich wünsche ich hätte mehr Vokabeln, um differenzierter ausdrücken zu können was ich sagen will. Aber die habe ich nicht und jetzt muss es raus. Wer sich davon kritisiert oder beleidigt fühlt: Willkommen im Club.

Radikal ist cool, aber cool war ich noch nie.

Disclaimer: Ich bekomme all die Shitstorms und Aufreger kaum noch mit, ich verstehe die Feindbilder nicht und diese dauernde Vereinnahmung bei der Feminismus die Glocke für Antirassismus und LGBT-Themen ist, nun, das sollen andere beurteilen.

Das Netz hat mich zur Feministin gemacht. Das Netz treibt jetzt mit Gusto einen Keil zwischen mit und die Bewegung. Wobei, seien wir genau: Zwischen mich und den deutschen Netzfeminismus. Fürs erste ist es Distanz, eine freiwillige. Wir reden noch manchmal, ich denke hin und wieder daran. Aber eine gemeinsame Zukunft ist unklar. Irgendwer müsste den Raum überwinden und ich bin stur.

Mir ist klar, dass Betreuungsgeld und Mütterrente populistisch und größtenteils nutzlos sind – sie sind aber auch die erste greifbare Anerkennung für Erziehungsarbeit seit der Einführung des Kindergeldes. Aber anstatt dort anzuknüpfen und konkrete, besser Vorschläge zu machen, kippen die Redeslführerinnen 1 Dreck über dem politischen Gegner aus. Um danach Nelson Mandela zu zitieren.
Diese großspurigen Beraterinnen und Gründerinnen irgendwelcher ungelesenen Publikationen machen oft den Eindruck als wollten sie Frauen zuerst der Familie und dann einander entwöhnen. Nur noch einsame, hochgebildete Wölfinnen auf queeren Wegen. Der Rest wird zurückgelassen, weil nur zählt, wer sich befreien will.

Die grundsätzlich Ignoranz gegenüber der Wirklichkeit ist dabei nur der Anfang meines Ärgers. Einer Wirklichkeit, in der Frauen schlechtbezahlt in Dienstleistungsberufen Überstunden machen und keine Zeit für flausch-Barcamps haben. Die in Branchen arbeiten, die nicht nur frauenfeindlich, sondern menschenfeindlich sind. Ich habe nicht die Hybris diesen Frauen zu sagen ihr Wunsch nach Doppelhaushälfte, einem Ehemann und zwei Kindern wäre der Sieg des Patriarchats. Des Kapitalismus, natürlich. Aber das sind, so sehr Teile der Bewegung das anders sehen, zwei unterschiedliche Dinge. Und wenn diese Frauen sich dann darauf freuen ihre Kinder die ersten drei Jahre selbst zu erziehen, weil sie nicht im Discounter an der Kasse sitzen müssen, das ist dann schlecht für die Gesellschaft? Oh, mein Fehler, diese Frauen ohne Abitur gelten ja auch als bildungsfern und der Staat sollte sich dafür einsetzen, dass sie ihrem Nachwuchs durch die fehlende klassische Bildung und ohne zweite Fremdsprache nicht zuviel Schaden zufügen.
Wenn der ungebildete Handwerker-Vater sich gern um die Kinder kümmern will, während Sie CFO irgendwo wird, ist das etwas anderes.

Verstehen sie mich nicht falsch, jede arbeitende Mutter die Karriere machen will, soll jede mögliche Betreuungsoption haben, die man sich denken kann, klar. Aber das Herabwürdigen von Frauen, die sich anders entscheiden, geht mir unfassbar auf den Zeiger.

Prägend für mich ist momentan aber eben die Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit, in der mein erstes Beispiel noch wesentlich öfter vorkommt als die Mutter im Aufsichtsrat, die dringend eine Kita mit RundumdieUhr-Öffnungszeiten braucht. Aber hey, das ist meine Blase. Die Filterbubble manch blubbernder Netz-Elite-Feministin (höhö) ist dramatisch anders und animiert zur Schöpfung von Begriffen wie “Hetenperformance”. Applaus!

Was diese „Aktivistinnen“ nicht sehen, ist, wie sehr ihre Negierung irgendeiner Mittelklasse den eigenen Zielen schadet. Anstatt Feminismus als klare, kluge und offensichtliche Denkweise durch alle Klassen sickern zu lassen 2, wird ein Luftschloß gebaut, in dem jeder sprachliche Faux-Pas ein digitales Schlachtfest nach sich zieht, man sich gegenseitig für das White-Privilege auspeitscht und zu mehr Sensibilität gegenüber ausländischen Drogendealern ermahnt.

Wer mit diesen schrillen Perspektiven nicht umgehen kann, darf nicht mitspielen.
Das Problem ist: Viele vernünftige Frauen, die täglich mit wirkliche Problemen durch Geschlechter-Ungerechtigkeit kämpfen, haben nicht die Kraft sich irgendwelche Schreigefechte mit Gender-Studentinnen ohne Abschluß zu liefern.

Ich auch nicht. Darum geht neine Sorte Feminismus gefühlt gerade im Netz unter.
Mein Feminismus, das sind Gespräche mit jungen klugen Frauen um mich herum, die dagegen sind, die “Pille danach” unkompliziert verfügbar zu machen. Ihr internalisiertes Frauenbild ist so (selbst)kritisch, dass sie promiskuitiven Männern ihre Dummheit und Verantwortungslosigkeit zugestehen, aber Angst haben junge Frauen könnten “noch weniger aufpassen”. Es würde auch “die falsche Sorte” Frauen zu unseriösem Verhalten animieren. Egal wie jung, egal wie verliebt – weibliche Unvernunft soll doch bitte Konsequenzen haben. Ansonsten kann sie sich doch “kümmern”. Um Kondome, um die Pille, um den Trieb des Kerls.

Es braucht erstaunlich lange, wenn man diesen sonst im besten Sinne liberalen Menschen erklären will, warum Dinge wie die Pille danach die Grundlage für einen Paradigmenwechseln sind. Passend dazu war die erste, die komplettes Verständnis zeigte eine Krankenschwester. Sie hatte schon zu viele verzweifelte Mädels gesehen, die sich nach der Zeltdisco nicht ganz sicher waren, ob ihnen nicht jemand was in die Whisky-Cola getan hatte. Je unkomplizierter, normaler und sicherer Sex wird, desto weniger müssen sich Frauen darüber definieren.

Mein Feminismus findet statt, wenn ich in Runden mit standhaften CSU-Wählern über Frauenquoten und deren positive Wirkung rede. Über eine Denkweise, die differenzierter ist als die meisten Statements von Alice Schwarzer. Über Feminismus, der Spaß und Sinnlichkeit für alle will und ein effektiver Erziehungshelfer für Eltern von Töchtern sein kann. Über pinkes Spielzeug, über Frauen die sich gegenseitig manipulieren und kichernd die eigenen Klischees feiern. Ein Feminismus, der Barrieren abbaut, anstatt neue aufzuziehen.
Keine nebulösen Begriffe, keine Verurteilung, simples Argumentieren. Wenn x, dann y und das ist besser für alle.

Der Netzfeminismus hat nie gelernt sich als clevere Option darzustellen, dafür wird zuviel verurteilt und ausgelacht. Ich kann das nicht mehr. Feministin zu sein, ist kein Grund überheblich zu werden. Etwas verstanden zu haben, zu dem vielen immer noch der Zugang fehlt, ist kein Grund meine Meinung undifferenziert und ohne Gedanken an andere Ansichten zu verbreiten. Der Feminismus muss dringend von seinem akademischen hohen Ross herunter und mal wieder zu Fuß gehen. Menschen wollen lernen und wollen sich richtig verhalten, aber sobald der digitale Zeigefinger nur noch Fehlverhalten zeigt und alles zum Skandal aufbauscht, wird sich eine Trotzhaltung dazu entwickeln. PETA, anyone?

Ich bin viel online, halbwegs gebildet, jung, single – und ich ertrage den Netz-Feminismus gerade nicht mehr. Es tut mir leid.

  1. meistens ohnehin nicht betroffen weil weit weg von jeder Art Familie. Während die tatsächlichen Mütter im Netz oft diejenigen sind, die unterschiedliche Lebensentwürfe akzeptieren und sehr pragmatisch über die aktuellen Möglichkeiten reden. But I digress.
  2. Apropos, der Ausschluss von allen die sich der Bewegung nicht vollumfänglich ausliefern ist der wahre Klassismus, nicht ein paar Bücherregale, HERRGOTTNOCHMAL.

Angie ain’t yo mama

Hach ja.

Zunächst wollte ich den Fragen nachgeben und was dazu schreiben man wie man Feministin sein kann, ohne die CDU schlichtweg zu hassen. Aber dann haben einige kluge Leute schon was dazu geschrieben und jetzt schreib ich den Eintrag, den ich schon seit einem Jahr schreiben will.* (viermal schreiben in einem Absatz. Diverse frühere Deutschlehrer schütteln den Kopf.)

Warum ich einen leichten Würgereiz bekomme, jedesmal wenn eigentlich gar nicht so dumme Menschen unsere Kanzlerin „Mutti“ nennen. Oder Journalisten. Oder die eigene Partei. (Unfassbar, was für Schwachmaten da bei der JU sitzen.)

Mutti ist dabei nicht nur eine antifeministische Bezeichnung, sondern eine Herabwürdigung für gleich mehrere Seiten. Für Mütter, deren Erziehungsarbeit mit dem stoischen Leiten einer Horde von mittelintelligenten Ministern verglichen wird, für Frau Merkel, die ihr Geschlecht im Gegensatz zu ihren politischen Gegnern nie zum Thema gemacht hat und als kinderlose Naturwissenschaftlerin keinerlei Bezug zum Alltag einer Mutter hat und abschließend für jede Frau in einer leitenden Position, deren Autorität in einem Fachbereich reduziert wird auf das bemuttern irgendwelcher Untergebenen.

Außerdem hat der Spiegel damit angefangen und wir wissen ja wie feministisch-positiv und gar nicht von alten weißen Männern durchsetzt diese Publikation ist.
Natürlich, viele „große“ Politiker bekommen einen Beinamen, einen Titel. Aber Mutti? Nein, das ist eine Schmähung.

Sezieren wir die Angelegenheit mal. Frau Doktor Angela Merkel, geschieden, evangelisch (Pfarrerstochter!), kinderlos. Wie kommt sie zu diesem Beinamen? Gilt sie als besonders warmherzig oder kümmernd? Eher nein. Hat sie sich in ihrer Politik oft und viel inbesondere für Frauen und Mütter eingesetzt? Im Gegenteil. Angela Merkel hat, das kann einen stören oder nicht, nie besonders feministische Positionen vertreten. Sie hat sogar den Komplettausfall Kristina Schröder ins Kabinett geholt.
Gleichermaßen hat die Kanzlerin nie weibliche Lebensentwürfe als politische Munition missbraucht. Sie sagt weder „Karrieremütter“ (Seehofer) oder Herdprämie (alle außer Seehofer), noch spielen ihre wie auch immer gearteten religiösen Ansichten eine besondere Rolle in ihren Reden oder ihren Entscheidungen. Tatsächlich würde ich Angela Merkels politischen Stil als eine Mischung naturwissenschaftlicher Beobachtung und strategischen Kompromissen beschreiben.

Zwischenzeitlich eine kurze Frage – außerhalb der JU-Pfuscher – haben Sie schon mal jemanden „Mutti Merkel“ mit positiver, anerkennender Konnotation hören sagen? Ich auch nicht.

Also wenn Fr. Merkel gar keine Mutti ist – woher dann die Bezeichnung?
Ich befürchte, es ist eine reine sprachliche Spitzfindigkeit. Während Mutter, auch die eines Staates, nach einer positiv besetzten und starken Rolle klingt, oder Mama uns das Gefühl von Zuhause und Geborgenheit vermittelt, ist die Mutti ein Begriff, der immer auch ein bisschen nach Mütterchen klingt. Nach einer in ihrem Horizont beschränkten, braven aber nicht besonders charismatischen Frau. Nicht nach einer Spitzenpolitikerin.

(Sollte es an dieser Stelle Leser geben, die ihre Frau Mutter seit jeher und durchaus positiv Mutti nennen, entschuldige ich mich, möchte aber zu bedenken geben wie außergewöhnlich mir das erscheint. Das ist ungefähr so wie mein Vater, der jeden seiner Freunde ganz liebevoll einen oiden Deppen, einen versoffenen nennt. Nun ja.)

Jedenfalls. Damit wäre klar warum Mutti Merkel im speziellen gegenüber Frau Merkel nicht nett ist, aber warum meine feministische Empörung? Nun, wegen der Männer. (höhöhö) Als Günther Jauch vor kurzem meinte, aus Mutti Merkel würde nun die schwarze Witwe werden, weil die Koalitionsfrage nicht auf der Stelle geklärt werden konnte, saß ich mit offenem Mund vor dem Fernseher. Welche Akzeptanz von frauenfeindlicher Kaltschnäuzigkeit führt zu solchen Begrifflichkeiten? Hätte er auch einen Herrn Steinbrück als, sagen wir mal, einen Biber der den eigenen Damm anknabbert, bezeichnet? Oder Vatti?

Manchmal erscheint es, als hätten insbesondere Journalisten eine innere Skala für den Beißreflex, der schwächer wird je älter und konservativer der, selbstverfreilich, Mann ihnen gegenüber ist. Aber Mutti hält das ja alles aus. Mutti beschwert sich nicht. Sie ist doch nicht vollkommen bescheuert.

Mutti Merkel. Die schöne Sarah Wagenknecht. Die burschikose Frau Künast.

Mächtige Frauen sind momentan wie einsame, bedrohte Eisberge und solche Kommentare, die allgemeine Stimmung gegenüber diesen Menschen ist der verfluchte Klimawandel. Diese Frauen wollen einfach nur ihren Job tun und sollen sich aber doch bitte auch um ihre Frisur kümmern, den richtigen Schmuck tragen und einerseits ansehnlich aber bitte auch nicht zu attraktiv sein. Klar, kein Problem.

Solange diese Art von Respekt gegenüber jemandem wie Angela Merkel hoffähig ist, was bedeutet das für andere Frauen in verantwortlichen Positionen? Wie sehr müssen Frauen sich winden und verformen lassen, um am Ende nicht als hysterische Zicke, inkompetente Furie oder eben die Mutti der Kompanie zu gelten?

Diese Grundhaltung hat für mich nichts mit politischer Sympathie zu tun. Darum ist es umso trauriger, dass viele der Mutti-Sager ansonsten tolerante, offene, auf politische Korrektheit bedachte Leute sind. Aber weil sie Frau Merkel nicht mögen, ist Mutti plötzlich okay.

Ist es nicht. Bitte.

P.S. Aber, werden manche sagen, wenn die Mutti so antifeministisch ist, warum wehrt sie sich nicht dagegen, hm?
Nun, weil sie keine Trolle füttert. Weil sie ihr Leben und ihre Politik nach anderen Prioritäten führt. Weil sie echt keine Zeit für auch noch diesen Blödsinn hat, wo gleich wieder der Seehofer was will oder Frankreich anruft und überhaupt wollte sie noch mit Russland telefonieren. Mutti? Bitch please.

*Phew. Das musste raus. Das war dann auch der Politik-Block und demnächst wieder vorweihnachtlicher Wahnsinn von der Landfront, keine Sorge.