Manchmal, ganz selten, schafft es eine Spam-Mail in mein Postfach. Und neuerdings bin ich ob der schöpferischen Kreativität schlichtweg begeistert.

Do n‘ t even think about ta k ing Cia l is or an a l ogs, we are re ady to give u ex xxcl usive a c c e ss to mo re tha n 10’000 HD videos t h at w ill p r otect you from erectile-dysfunction!

This is a prophecy of moss: confidence couldnt unite shipping, after all that has granted with madame hohlakov; schtick couldnt, affront couldnt, thats a mathematical coterie.

ῇậăṅ?ŏȁѓŏү

He was in incomparable oilcloth and february.

Irgendwo zwischen mathematical coterie und oilcloth kann ich nicht mehr zu grinsen aufhören. Toll, dieses Internet.

Hoffentlich lesen die Expertinnen zum Thema bald mal wieder vor.

Frauengeschichten

Von der G. (einer Freundin der Tante E. ) die dann doch „wieder gechattet“ hat (vorwurfsvoller Unterton) und an einen sehr attraktiven (! Wo die G. wirklich keine Schönheit!) Engländer (!) der angeblich in Afghanistan (!!) ist, geraten war. Der hat jemandem, so sagt er das natürlich sehr glaubwürdig, das Leben gerettet und dafür Gold bekommen. As you do. (In diesem Moment bin ich gedanklich längst beim Plot von Three Kings und sehe die Chat-Bekanntschaft als George Clooney vor mir.) Natürlich: Das Gold soll jetzt außer Landes transportiert werden und ein entsprechender Kurier will dafür entlohnt werden. Sie müsse nur zwischenzeitlich einen Kredit aufnehmen. Das wäre doch bestimmt kein Problem. Im Gegenzug lässt er das Gold vertrauensvoll (!) zu ihr bringen.
Da wurde die G. dann unsicher. (Unsicher! Gestikuliert die Tante E. und schüttelt den Kopf. Wissend, dass ihr alleinstehendes Dasein nicht die schlechteste aller Varianten ist. Sie könne ja verstehen, so die Tante E., dass das mit dem Kennenlernen in ihrem Alter alles nicht mehr so einfach ist – woraufhin die M. anfängt die Geschichte von Mareike Amados Heiratsschwindler zu erzählen und ich mir noch einen Schnaps eingieße.) Jedenfalls, die G. will das mit diesem seltsamen Chatten jetzt lassen. Also nein, dieses Internet. Voller Perverser und Betrüger.

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Von der M. die aus einem Nest in der Oberpfalz kommt und leider genauso clever, charmant wie vertrauensselig ist. Auch jetzt noch, nach der ganzen Geschichte. Weil, zuerst hat sie brav und auf Wunsch ihrer Eltern etwas ordentliches, zumindest mit Management im Namen, gelernt und dann hat sie sich einen Hoferben angelacht. Die Schwiegereltern waren noch gut in Schuss, da war die Zukunft ganz gemütlich zu planen. Bei der kleinen Standesamt-Hochzeit hat dann der angetraute schon gesagt „gebts ma no a Stickl, jetzt is ja wurscht.“ woraufhin die M. so ein erstes kleines Zucken in der Magengegend verspürte.
Die große Hochzeit (natürlich) sollte ein Jahr später stattfinden. Jetzt machte es aber, wie man bei uns sagt, batschbum und der Schwiegervater war nicht mehr. Übrig blieb die Schwiegermutter, die das neu gewonnene Matriarchat erstmal nutzte, um auf ihren Erstgeborenen einzuwirken. Weil natürlich musste er sofort übernehmen und sollte sich bitteschön erstmal um sie und seine Schwestern kümmern. Und das mit dem Sitz im Kreistag endlich in Angriff nehmen. Da musste die junge Ehefrau halt erstmal hinten anstehen.
„De hat nichtmal einen Baugrund“, hat die Schwiegermama gesagt und das war es dann auch. Am Tag als die große Hochzeit stattfinden sollte (die M. hatte ein seidenes Designerbrautkleid im Schrank hängen), begann ihr Trennungsjahr. Jetzt ist die M. zum Unmut der Familie in München, tut etwas kreatives (!) und ist mit einem Künstler (!!) zusammen, der von seiner Arbeit ganz gut leben kann. Sie sagt, es geht ihr besser als jemals zuvor.

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Von der S. die nach dem Spitzenabi am neusprachlichen Gymnasium ein Blitzstudium in Anglistik und Germanistik gemacht hat. Kaum hatte sie den Master angefangen, haben ihre Dozenten vom Promovieren und der Karriere im akademischen Bereich geredet. Dann kam der Vertriebler-Schnösel. Der hatte sich nach oben gearbeitet von der Kaufmannslehre und für Akademiker nicht viel übrig. Wie sie geschwärmt hat, von ihrem „Nest“ und der „Sicherheit“ die er ihr gibt. Jetzt ist sie mit dem Schnösel verlobt und keiner weiß so recht wie das werden soll. Weil Prof. S. – das wird der ambitionierte, aber mittelmäßig intelligente Schnösel nicht mitmachen. Der will das Weibchen im Reihenhaus wissen, während er unterwegs ist. Wäre das eine romantische Komödie würden wir einen charmanten, handwerklich begabten Ex benachrichtigen, der sie aus dem Dilemma errettet. (Was auch ein Schmarrn wär, aber immerhin) Leider hatte die S. vor dem Vertriebler so eine Schwäche für ihr das Herz brechende Schauspieler und, nein, das geht nicht. Wo sind heute die Geschichten und Vorbilder von Frauen, die sich einfach nur für die Karriere und gar keinen Kerl entschieden haben, hm? Reese Witherspoon, you have failed me.

Von der Weiblichkeit des Zupfens

Angefangen hat es so:

Doch nein: Zu 99 Prozent ist anschließend die Strumphose um mindestens 90 Grad, bis zu 360 Grad spiralverdreht am Bein und ziept. Es dauert Minuten, bis sie geradeaus zurechtgezuppelt ist.

  • Frau Kaltmamsell beklagt die Mühe des Strumpfhosenanziehens. Zurecht.
  • Und auch wenn sie die Vokabel „zurechtgezuppelt“ verwendet, musste ich sofort ans Zupfen denken. Und wie typisch diese Zupfende, schon in ihrer Ausführung leicht wehklagende Bewegung ist. Wie typisch weiblich auch, auf eine Art. Denn das Martyrium des Zupfens beginnt im Leben einer Frau schon arg früh. Als kleine Mädchen will die wärmende Strumpfhose unter der eigentlichen Hose zurecht gezupft werden. Auch Mützen und Handschuhe sind ständige Zupfherausforderungen.

    Während das andere Geschlecht bereits hier etwas grober und mit angestrengtem Gesichtsausdruck zu Werke geht – wir zupfen.

    Hinein in die Pubertät und es beginnt die nächste Disziplin im großen Zupf-Mehrkampf. Denn überschüssige Haare über der Nasenwurzel und der Oberlippe wollen entfernt werden. Die Pinzette wird unsere Verbündete im Kampf gegen die Mono-Augenbraue. Wir entwickeln Techniken und informieren uns über unterstützende Helferlein, die den Schmerz und die Entzündungen minimieren sollen. Es wird gekühlt und gepeelt, damit das Zupfen leichter fällt.

    Mittlerweile kommt uns die Industrie zu Hilfe und entwickelt mit dem Epilierer ein Gerät, dessen einzige Spezialisierung das schnelle Zupfen ist. Von wegen Multifunktion. Nichts außer Zupfen. Die jungen Herren? Rasieren. Nass oder elektrisch, bluttriefend oder mit zuviel Rassierwasser. Wir Zupfen.

    Und finden das nicht einmal besonders seltsam.
    Ist Zupfen damit ein Klischee? Ein Stereotyp? Sind wir, auch als moderne Feministinnen, Oper einer großen Zupf-Verschwörung? Andererseits: Zupf-Instrumente. Da kommen plötzlich auch die Herren der Schöpfung zu ihrem Zupf-Grundkurs. Wobei überraschend viele auf Nachfrage das, was sie da mit einer Gitarre tun gerne „Schrammeln“ nennen. Warum auch immer. Zupfen ist schließlich aller Ehren wert.

    Wir seufzen, während wir auch als Erwachsene die Strumpfhose zurechtzupfen und schließlich einmal von oben bis unten über das Outfit zupfen – bis es sitzt, wie es soll. Finden wir uns selbst dann ordentlich genug, spitzen wir Daumen und Zeigefinger erneut – schließlich will der Kragen am begleitenden Herren auch zurecht gezupft werden.
    Ganz so, als hätte uns die Natur das Zupfen als übergreifende, kümmernde Fähigkeit mitgegeben. Eine uralte Kulturtechnik, die sprechende iPhones hin und Laserhaarentfernung her , in allen Lebenslagen zur Geltung kommt.

    Schließlich kann Zupfen auch despektierlich sein, herabsetzend.Wenn wir es wollen. Oder aufmunternd, optimistisch.Zupfen als nonverbaler Beziehungsausdruck. Da schlummern doch gleich mehrere Dissertationen, oder nicht?
    Und liebevoll, wenn man der eigenen Tochter am Ende wieder die Strumpfhose zurecht zupft, damit sie rausgehen kann und mit den Lackschuhen und der frischen Strumpfhose in eine Wasserpfütze springen.

    Apropos, Zupfen als verbindendes Element.