Wohin? was? Liebe Ewigkeit! Wonn Unendlichkeit, und du fliehst?

„die Räuber“ v. Friedrich Schiller / Theater Kempten 14.04.2010

Tarantino wäre stolz auf die Aufführung. Es wird geschossen, Blut vergossen und in großen Reden von grausamen Plünderungen und Morden berichtet.
Franz Moor ist einem Chuckles-zu-Gutenberg-Lookalike-Contest entstiegen, Amalia trägt brave Punkklamotten und Franz ist der große blonde Mädchentraum mit Idealistenblick.

Er scharrt um sich eine Bande verlorener Jugend und aufrechtem Widerstand, sie tragen Lederjacken und Jeans, erstürmen die Bühne zu Rammstein, Plündern zu Eminem, während Franz schon bei Rock’n’Roll Klassikern schier ausrastet.

Wenn die Bühne nicht langt, zeigen die wahllos rumstehenden Fernseher Bilder von zunächst harmlosen Balgereien die sich, während Spiegelberg vom Sturm eines Klosters erzählt, in böse Schlägerein wandeln wie wir sie aus den Berichten von UBahn-Überfällen kennen.

Sogar die Schreckschußpistolzen funktionieren, weil in dem kleinen Kemptner Saal ihre Lautstärke zur Geltung kommt. Und wenn es einem nach dem anderen erwischt, schleicht sich eine Mischung aus Aufregung und Traurigkeit ins Publikum, weil dafür Platz ist, weil das Esemble weiß wann es Zeit ist einen kleinen Schritt zurück zu treten.

Wenn sie sich um den blutgetränkte toten Roller scharen und schließlich zurück nach Hause kommen wird ihre Rastlosigkeit zur fehlenden Orientierung. Ja wohin den nun mit der Revolte? Und so sterben sie dahin, unprätentiös brutal, bis der Hauptmann Moor – der gefallene Anführer, ein Bündel aus Schuld und Einsamkeit sich niederlegt.

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Die Truppe aus dem Theater Konstanz strahlt ein bisschen zu sehr für das verschlafene Allgäu, sprengt mit ihrer Energie ein wenig die kleine Bühne. Und zurecht bekommt der Darsteller des psychotischen kleinen Bruders ein wenig lauteren Applaus und die rotzige Amalia das Füßestampfen.
Hach, Theater.

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Which brings me to:

Ein Monat Musik – Tag 12

A song from a band you hate

Hass ist ein großes Wort, aber wenn es um die gehypten deutschen Bands und ihr pseudophilosophisches Pädagogengeschwafel geht, werde ich leicht aggressiv. Kettcar, Tomte und, die Schlimmsten, Tocotronic. Ich weiß, ihr alle liebt sie und kennt ihre Texte auswendig.
Es sei euch belassen. Aber um gotteswillen, hört auf, sie mir andrehen zu wollen!

Deswegen hat es auch so lang gedauert und hat es ein bisschen Hilfe gebraucht um folgenden Song zu finden. Den er gehört zu besagtem Stück. Als Karl Moor am Ende da liegt, geschunden ,geschlagen und besiegt vom eigenen Krawallwahn, lässt der Regisseur noch einmal Musik laufen. Und genau da, da ist sie erträglich.

Tocotronic – Kapitulation

httpv://www.youtube.com/watch?v=NYW6mgIN6Pk

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Allgemein wurfpuschel

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