Ein bisschen vorwurfsvoll guckt das WordPress-Backend mich an. Warum schreibst du momentan so gut wie nichts, was ist denn hier los? Und missmutig gucke ich zurück, zucke mit den Schultern. Nicht, weil gerade nichts passieren würde, im Gegenteil. Aber alles was passiert, was mich tangiert oder anrührt ist vergleichsweise flüchtig. Es hat zuwenig Substanz, als dass ich mich hinsetzen und länger darüber schreiben würde. Ein Tweet oder ein Facebook-Eintrag, vielleicht.
Aber fast nichts kann lang genug meine Aufmerksamkeit fesseln, um auch in Worte gepackt zu würden.
Nehmen sie es mir nicht übel, aber ich bin gerade mit mir selbst beschäftigt. Mein Inneres, ein einziger Debattierclub mit verschiedenen philosophischen Ausrichtungen. Ellenlange Diskussionen über den eigenen Weg und die Ausrichtung und wohin das alles führen soll. Dazwischen wilde Tagträume und Gedankenentwürfe. Eskapismus der allerschlimmsten Sorte.

Manchmal fange ich einen großen Gedanken an, weil grade doch irgendetwas passiert. So wie dieser Tage, wo ich an ein paar Stellen Daten von mir ändern muss, zum Beispiel die Bankverbindung. Und überall einzeln muss ich sie eintragen oder ändern und Kontakt aufnehmen oder hinterher telefonieren oder ein Formular ausfüllen und das ist viel zu mühsam für das Jahr 2012. Warum bin ich eigentlich nicht meine eigene API, eine Schnittstelle die selbst über Daten verfügt und bei der die Anbieter und Services und Ämter und Gedöns in regelmäßigen Abständen eine Autorisierungsfrage stellen müssen?
So, dass ich am Ende nur an einer Stelle meine Daten ändern muss und die, die sie haben wollen merken in ihrer Datenbank, dass es da eine Änderung gab und sie fragen diese ab. Warum ist das eigentlich nicht grundsätzlich so? Als ich vor einigen Tagen meinen neuen Ausweiß mit original Verbrecher-Foto abgeholt habe und unterschreiben sollte, dass ich auch wirklich gelesen habe was der kluge Chip darin eventuell vielleicht eines Tages und mit diversen Hilfsmitteln mal kann, dachte ich wie absurd es ist, dass wir einerseits auf Datenschutz achten wollen und andererseits unsere Daten ständig diversen Leuten hinterher tragen. Muss ja immer alles schön aktuell sein.

Manchmal fange ich also so einen Gedanken an und dann unterbricht der Debattierclub mich wieder mit irgendwas grundsätzlichem zu meinem Leben und wie stellen sie sich das alles eigentlich vor Fräulein Bella? Und an guten Tagen denke ich, ach, ich probiere Dinge aus und seh mich um, das ist doch gut so, das haben mir doch all die schönen Bücher und Geschichten so beigebracht. Meine Zwanziger als Spielwiese in jeder Hinsicht. Aber dann kommt diese eine, sehr mäklige Stimme vom Club (ich glaube sie ist eine alte verbittere Dame ungewöhnlich nördlicher Herkunft) und sie hebt bestimmt ihren Zeigefinger als sie mir sagt, dass meine Zwanziger ja nun nicht mehr sooo lange dauern.
Dann schnauze ich sie an, sie soll Ruhe geben und meine Zwanziger wären immer noch länger als der Rest ihres Lebens, aber dann gebe ich kleinlaut Ruhe. Und schaue auf den Kalender, wo dieses sinnfreie Datum an dem eigentlich meiner Mutter gehuldigt werden sollte bald ansteht und seufze.

Das ist dann also dieser Übergang von Mitte Zwanzig in Richtung Ende Zwanzig. Seltsam. Früher hab ich mich und meine Erwartungen gern an den Runden und den 5er-Geburtstagen orientiert. Genauso blödsinnig wie sich jetzt an der Rockstarzahl zu orientieren, aber immerhin. Mit 15 mitten im pubertären Albtraum, mit 20 alles auf Anfang in einer neuen Stadt. Mit 25 nahe am Ziel und schon mal in Stellung gehen für den neuen Lebensabschnitt. Der aber ist holprig und viel unklarer als alle immer gesagt haben. Während die anderen im gleichen Alter grade durch Asien tingeln, auch auf der Suche nach sich selbst, findet mich auf Facebook die alte Schulfreundin die zwei Tage jünger ist und grade mit ihrem Mann und den drei Kindern im Urlaub war. Sie wohnt noch da, wo wir schon zur Grundschule gegangen sind und während ihr Leben wie mein persönliches Horrorszenario klingt sticht es ein bisschen, weil sie so unverschämt glücklich ist. Wo sie damals mit 16 das erste mal schwanger und überhaupt, was soll aus dem Mädchen mal werden haben sie gesagt. Das Mädchen ist erwachsener und zufriedener als ich und das obwohl mir jede Motivation fehlt in absehbarer Zeit Mutter und/oder Ehefrau zu werden. Ach.

Das jedenfalls ist der Grund warum hier momentan so wenig steht. Weil ich, selbst wenn ich einen tieferen Gedanken niederschreiben will, ihn schnell bei 750words weg packe, einer persönlichen kleinen Schreibübung für jeden Tag. Damit man wenigstens etwas klar formuliert hat. Wobei klar auch das falsche Wort ist. Man zwingt sich dahin und fügt Worte zusammen. Unterschiedlicher Sprachen und gern auch ohne Zusammenhang. Dort geht das, dort liest es niemand und dann ist es okay wenn es mich und meine Verpeiltheit widerspiegelt.
Weil ich das Schreiben letztendlich nicht lassen kann, oder will. Was auch immer das für die Zukunft heißen soll. Über die ich mir wohl mehr Gedanken machen könnte, ganz allgemein. Weil die schönen Geschichten und Bücher dann am Ende auch eine klare Richtung haben, etwas wofür sich die Heldin entscheidet und tut. Sobald sich also mein innerer Debattierclub auf etwas geeinigt hat und die Komission zur Erhaltung meiner restlichen Würde sich damit einverstanden zeigt, werde ich es sie wissen lassen, liebe Leser. Versprochen.

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