obligatorischer Jahresendeintrag

Willkommensgruß vor einer Münchner Wohnungstür. Wo sonst.
Willkommensgruß vor einer Münchner Wohnungstür. Wo sonst.

In der Pubertät sagt man, rennt die körperliche Entwicklung dem Kopf voraus, der noch damit beschäftigt ist den vorderen Hirnlappen fertig auszubilden. Ich glaube 2012 war das erste Jahr, indem der Kopf wieder den Anschluss gefunden, vielleicht sogar die Projektleitung übernommen hat.

Das hängt auch damit zusammen, dass ich als gelernte Sozialphobikerin das komplette Internet zu meiner Therapiegruppe gemacht habe. Sehr schön geholfen hat das an meinem Geburtstag. (Eigentlich können sie hier aufhören zu lesen und einfach nochmal die Kommentare studieren, sehr viel klüger wird es in diesem Blog nicht mehr.) Überhaupt war dieses Internet, waren diese Menschen sehr gut zu mir.

Das hilft, wenn das Leben komische Wellenbewegungen macht und man sich weniger als Kapitän sondern mehr wie Strandgut vorkommt. Für mich persönlich hat 2012 ganz am Ende die Kurve gekriegt. Things are looking up. Und mein Thema, meine Sache hab ich auch gefunden. Social Media ist weniger geworden, mein Facebook-Account liegt im Wachkoma, Pinterest und Gomiso wurden gekickt, mein Heimathafen ist Twitter und dieses kleinge Dings hier. Nächstes Jahr mit mehr Bildern und mehr Einträgen – jetzt, wo ich tatsächlich Leser habe, so im messbaren Bereich.

Und sonst so, 2012? Naja. Da ist Steigerungspotential.
2013? Was will ich eigentlich von 2013?
three crosses

Viele viele Jahre wollte ich so werden wie die anderen, die coolen Kids. Regelmäßige soziale Kontakte, regelmäßige Arbeitszeiten, Geld ausgeben für Technik und Reisen. 2012 hab ich gelernt, dass mich das nicht glücklich macht. Dass ich meine Energie anders verwalten muss. Der ewige innere Kampf eines Introvertieren gegen die Konvention eben. Während man darüber im Internet sehr gut sprechen kann, sind andere Dinge schwieriger. Ich bin, und das hat was von einem Outing, ziemlich konservativ. Nicht politisch, glaub ich (wobei ich zum jetzigen Zeitpunkt gern überhaupt ungern irgendwie politisch bin, weil mich dieses Thema so sehr ermüdet wie noch nie.), sondern so lebenstechnisch. Das hat viel mit Stadt und Land, mit Tempo und Verständnis für Lebensentwürfe zu tun, die total analog und traditionell ablaufen und Menschen nicht mehr oder weniger unglücklich werden lassen.

Aber, das würde jetzt zu weit führen. Es geht darum, dass ich mehr als zu irgendeinem Zeitpunkt weiß welche Faktoren mich in Entscheidungen beeinflussen und woher sie eigentlich stammen. Darum tue ich neuerdings sehr bewusst hauptsächlich Dinge, die mir Spaß machen. Nicht, die ich machten sollte, um normal zu wirken. Das alles hat damit angefangen, dass ich wieder lese. Und dann haben andere auch darüber geschrieben und ich habe angefangen Verhaltensweisen auszusortieren von denen ich dachte, dass ich sie zu haben hätte. So als aufgeklärte, feministische junge Frau.

Mei schaun’s, jetzt bin i ins Ratschn kema, I wuid doch über 2013 schreym.
Kramerladen Wasserburg
Zum Beispiel was dieses kleine Blogdings angeht. Zu meiner Überraschung gibt es eine gewisse Nische was die Beschreibung süddeutscher Eigenheiten angeht, die nicht von Leuten stammen die sich nebenher selbst auf die Schulter klopfen weil sie das alles hinter sich gelassen haben. Ich bin zwar in keinem Verein und mein Dirndldrahn lässt zu wünschen über, aber ich war eben bis dato nur auf Hochzeiten mit >200 Gästen und Zuchttieren als Geschenken und ich stehe Allerheiligen noch am Grab und kenne die Marktfrau, von der ich meine Lieblingsmarmelade (Melone-Birne!) bekomme und ich mag das. Das ist wohl dieses konservativ, von dem ich sprach.
Und ich bin auch immer wieder fasziniert von der Toleranz die eben doch herrscht. Manchmal mehr als bei meiner geliebten Peergroup der Online-Sonderlinge. Darum ist mein einziger Vorsatz, wenn man so will, mich wieder mehr damit zu beschäftigen. Auf Dinge zu schaun und nicht immer alles so selbstverständlich zu finden. Nein, das wird hier kein Blog durch das bayerisch-katholische-Brauchtumsjahr, aber dem Fakt, dass die Mehrheit der Menschheit eben nicht in Berlin, Hamburg, Köln oder München lebt sollte auch online mehr Beachtung geschenkt werden. Außerdem ist gerade hier in Südostoberbayern alles so irrsinnig pittoresk und vielleicht können wir kitschige Altstadtfassaden mal als Konkurrenz zu Katzenbildern testen. (Oder ich fotografiere einfach ein paar der umliegenden Klosterkirchen und lasse mir von Frau Gröner erklären, was es damit auf sich hat.)
Ein Epos lebt nicht zuletzt auch von den Details.
(Das Internet! Ich meine das GESAMTE INTERNET! Nicht mein kleines Blogdings hier. Also wirklich.)

Tatsächlich hoffe ich den Blog regelmäßiger befüllen zu können, auch wenn das nächste Jahr ziemlich sicher noch voller wird als das letzte. Und da sind freiwillige soziale Kontakte noch nicht mitgezählt. Trotzdem. Es muss doch geschrieben werden. Wer einmal damit angefangen hat, merkt erst wie unausweichlich diese Dinge sind.
Auch das offline Schreiben darf bitte noch mehr werden. Lumpige 40 Seiten aus dem NaNoWriMo sind nach einer ersten Korrekturrunde geblieben, aber fertig werden soll diese Geschichte doch. Muss ja, nee, eben.

Ich merke gerade wie typisch 2012 dieser Eintrag hier wird. Unzusammenhängend, aber gut gemeint. Mir ist auch völlig klar, dass aus mir keiner dieser gewitzten Profiblogger mit hübschen Bildern und kleinen Anekdoten wird. Manchmal bin ich sauer und manchmal hab ich was zu erzählen und oft reg ich mich über frauenfeindlichen Dreck auf – das war es dann auch fast schon. Gut, Fußball. Aber als Bayern-Fan ist man nicht absonderlich genug, um im Internet als cool zu gelten.

Daran wird sich auch 2013 nichts ändern. Aber wissen sie was? Jetzt ist es mir egal. Namen und Bezeichnungen und Schubladen und Real Life vs Digitales und die Erwartungen und das Hetzen – es könnte mir nicht mehr egaler sein. Es gibt keinen Weg, kein Rezept, keine Anleitung zum Glücklichsein. Es gibt nur die Akzeptanz dessen, was jetzt ist und viele kleine Schritte die es besser oder schlechter machen können.

2013 ist mir jetzt schon vollkommen egal. Ich habe die Erwartungen nicht bloß weggeräumt oder in Schubladen versteckt, ich habe sie verbrannt und die Asche weggefegt. Dann hab ich die Fenster aufgerissen und jetzt kann frische Luft herein und wenn sie Überraschungen mitbringt, biet ich denen was zu trinken an. Prost Neujahr!

Liebste Blogleser der Welt: es war mir eine Freude. See you on the other side.

Weihnachtsmarkt Wasserburg 2012

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