Von der G. (einer Freundin der Tante E. ) die dann doch „wieder gechattet“ hat (vorwurfsvoller Unterton) und an einen sehr attraktiven (! Wo die G. wirklich keine Schönheit!) Engländer (!) der angeblich in Afghanistan (!!) ist, geraten war. Der hat jemandem, so sagt er das natürlich sehr glaubwürdig, das Leben gerettet und dafür Gold bekommen. As you do. (In diesem Moment bin ich gedanklich längst beim Plot von Three Kings und sehe die Chat-Bekanntschaft als George Clooney vor mir.) Natürlich: Das Gold soll jetzt außer Landes transportiert werden und ein entsprechender Kurier will dafür entlohnt werden. Sie müsse nur zwischenzeitlich einen Kredit aufnehmen. Das wäre doch bestimmt kein Problem. Im Gegenzug lässt er das Gold vertrauensvoll (!) zu ihr bringen.
Da wurde die G. dann unsicher. (Unsicher! Gestikuliert die Tante E. und schüttelt den Kopf. Wissend, dass ihr alleinstehendes Dasein nicht die schlechteste aller Varianten ist. Sie könne ja verstehen, so die Tante E., dass das mit dem Kennenlernen in ihrem Alter alles nicht mehr so einfach ist – woraufhin die M. anfängt die Geschichte von Mareike Amados Heiratsschwindler zu erzählen und ich mir noch einen Schnaps eingieße.) Jedenfalls, die G. will das mit diesem seltsamen Chatten jetzt lassen. Also nein, dieses Internet. Voller Perverser und Betrüger.

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Von der M. die aus einem Nest in der Oberpfalz kommt und leider genauso clever, charmant wie vertrauensselig ist. Auch jetzt noch, nach der ganzen Geschichte. Weil, zuerst hat sie brav und auf Wunsch ihrer Eltern etwas ordentliches, zumindest mit Management im Namen, gelernt und dann hat sie sich einen Hoferben angelacht. Die Schwiegereltern waren noch gut in Schuss, da war die Zukunft ganz gemütlich zu planen. Bei der kleinen Standesamt-Hochzeit hat dann der angetraute schon gesagt „gebts ma no a Stickl, jetzt is ja wurscht.“ woraufhin die M. so ein erstes kleines Zucken in der Magengegend verspürte.
Die große Hochzeit (natürlich) sollte ein Jahr später stattfinden. Jetzt machte es aber, wie man bei uns sagt, batschbum und der Schwiegervater war nicht mehr. Übrig blieb die Schwiegermutter, die das neu gewonnene Matriarchat erstmal nutzte, um auf ihren Erstgeborenen einzuwirken. Weil natürlich musste er sofort übernehmen und sollte sich bitteschön erstmal um sie und seine Schwestern kümmern. Und das mit dem Sitz im Kreistag endlich in Angriff nehmen. Da musste die junge Ehefrau halt erstmal hinten anstehen.
„De hat nichtmal einen Baugrund“, hat die Schwiegermama gesagt und das war es dann auch. Am Tag als die große Hochzeit stattfinden sollte (die M. hatte ein seidenes Designerbrautkleid im Schrank hängen), begann ihr Trennungsjahr. Jetzt ist die M. zum Unmut der Familie in München, tut etwas kreatives (!) und ist mit einem Künstler (!!) zusammen, der von seiner Arbeit ganz gut leben kann. Sie sagt, es geht ihr besser als jemals zuvor.

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Von der S. die nach dem Spitzenabi am neusprachlichen Gymnasium ein Blitzstudium in Anglistik und Germanistik gemacht hat. Kaum hatte sie den Master angefangen, haben ihre Dozenten vom Promovieren und der Karriere im akademischen Bereich geredet. Dann kam der Vertriebler-Schnösel. Der hatte sich nach oben gearbeitet von der Kaufmannslehre und für Akademiker nicht viel übrig. Wie sie geschwärmt hat, von ihrem „Nest“ und der „Sicherheit“ die er ihr gibt. Jetzt ist sie mit dem Schnösel verlobt und keiner weiß so recht wie das werden soll. Weil Prof. S. – das wird der ambitionierte, aber mittelmäßig intelligente Schnösel nicht mitmachen. Der will das Weibchen im Reihenhaus wissen, während er unterwegs ist. Wäre das eine romantische Komödie würden wir einen charmanten, handwerklich begabten Ex benachrichtigen, der sie aus dem Dilemma errettet. (Was auch ein Schmarrn wär, aber immerhin) Leider hatte die S. vor dem Vertriebler so eine Schwäche für ihr das Herz brechende Schauspieler und, nein, das geht nicht. Wo sind heute die Geschichten und Vorbilder von Frauen, die sich einfach nur für die Karriere und gar keinen Kerl entschieden haben, hm? Reese Witherspoon, you have failed me.

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Ein Gedanke zu „Frauengeschichten

  1. Oy. Die Geschichte der M. kenne ich aus dem Altmühltal, bloß mit schlechtem Ausgang (er: Kreistag, sie: drei Kinder, eigentlich Mitterdirn).

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